Fledermäuse in den Mergelgrotten von Süd-Limburg

Beitragsbild: mit KI erstellt (Symbolbild)

Rund um Maastricht, Valkenburg und Margraten ziehen sich mehrere hundert Kilometer unterirdischer Gänge durch den Kalkstein Süd-Limburgs – Überreste jahrhundertelangen Mergelabbaus. Ein Teil dieser Gänge dient heute als eines der bedeutendsten Fledermaus-Winterquartiere der Niederlande und steht deshalb unter strengem Schutz. Einige Grotten sind mit Führung zu besichtigen, andere sind wegen der überwinternden Tiere für Besucher komplett gesperrt.

Die Mergelgrotten: ein unterirdisches Netzwerk

Nach Angaben der Provinz Limburg gibt es in dem kleinen Gebiet westlich von Gulpen und südlich der Geul mehr als hundert Grotten und Gangsysteme; landesweit werden die niederländischen Mergelgroeven auf etwa 250 größere und kleinere Gangsysteme geschätzt. Der Mergel, ein weiches Kalkgestein aus der Kreidezeit, wurde hier über Jahrhunderte für Bauzwecke abgebaut, unter anderem für die charakteristischen weiß getünchten Backsteinhäuser der Region. Im Inneren herrscht ganzjährig eine nahezu konstante Temperatur von rund 10 bis 12 Grad bei sehr hoher Luftfeuchtigkeit. Einige Gänge dienten während des Zweiten Weltkriegs als Luftschutzbunker und als Versteck für Kunstwerke; im Gangsystem Zonneberg unter dem Sint-Pietersberg wurde in dieser Zeit unter anderem eine großformatige Kohlezeichnung von Rembrandts „Nachtwache“ angefertigt. Der Abbau reicht bis ins Mittelalter zurück; einzelne Gangsysteme wie jenes bei Sibbe erstrecken sich über eine Fläche von schätzungsweise rund 100 Hektar. Große industrielle Kalksteingewinnung endete erst in jüngerer Zeit: Der oberirdische ENCI-Steinbruch am Sint-Pietersberg stellte 2018 nach rund hundert Betriebsjahren den Abbau ein, während in der Juliana-Groeve die Förderung bereits 1954 aufgegeben wurde. Unterirdisch wird bei Sibbe bis heute in kleinem Umfang Kalkstein für die Restaurierung historischer Gebäude gewonnen.

Warum die Grotten ideale Winterquartiere sind

Die gleichbleibende Temperatur und hohe Luftfeuchtigkeit machen die Gänge zu einem idealen Ort für den Winterschlaf von Fledermäusen: Die Tiere finden hier Bedingungen, bei denen sie kaum Energie für die Regulierung ihrer Körpertemperatur aufwenden müssen, und sind vor Frost und Fressfeinden geschützt. Die verzweigten, oft kilometerlangen Gangsysteme bieten zudem unterschiedliche Mikroklimazonen, sodass verschiedene Arten jeweils passende Nischen finden. Während der Winterruhe senken Fledermäuse ihre Körpertemperatur und Herzfrequenz stark ab und verbrauchen kaum Energie; jede Störung zwingt sie, kurzfristig wieder aufzuwachen, was viel von den begrenzten Fettreserven kostet, die bis zum Frühjahr reichen müssen. Außerhalb der Winterruhe erfüllen die Tiere zudem eine ökologische Funktion als Insektenfresser in der Umgebung der Groeven.

Welche Fledermausarten hier überwintern

In den Natura-2000-Gebieten Sint-Pietersberg & Jekerdal, Savelsbos, Bemelerberg & Schiepersberg und Geuldal sind die Mergelgroeven als Winterquartier für drei nach der europäischen Habitatrichtlinie (Anhang II) besonders geschützte Arten ausgewiesen: die Teichfledermaus (meervleermuis), die Wimperfledermaus (ingekorven vleermuis) und das Große Mausohr (vale vleermuis). Beim Großen Mausohr ist die niederländische Population klein: In den vergangenen Jahren überwinterten landesweit nur rund 50 Tiere, die meisten davon in den Limburgse Mergelgroeven. 2018 wurde im Geuldal die bislang einzige bekannte Wochenstube dieser Art in den Niederlanden entdeckt. Daneben zählen unter anderem Wasserfledermaus, Fransenfledermaus, Bartfledermaus und das Braune Langohr zu den regelmäßig nachgewiesenen Arten der Region. Freiwillige der niederländischen Fachorganisation für Fledermäuse und andere Säugetiere zählen die überwinternden Tiere im Rahmen eines landesweiten Monitoringprogramms (NEM-Wintertellingen) jedes Jahr visuell und bestimmen sie nach Art.

Geschichte der Mergelgrotten
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Schutzstatus und Winterruhe

Quartiere von Fledermäusen – Wochenstuben, Paarungsquartiere und Winterquartiere – sind in den Niederlanden über das Naturschutzgesetz (Wet natuurbescherming) grundsätzlich vor Störung und Zerstörung geschützt. Für die bedeutenden Winterquartiere in den Mergelgroeven bedeutet das konkret: Sie bleiben von September bis Ende April für Besucher gesperrt, bei der Wimperfledermaus, die besonders lange Winterruhe hält, wird der Schutzzeitraum auf Mitte August bis Mitte Mai ausgedehnt. Diese Regel gilt jedoch nicht für jede Grotte in der Region gleichermaßen – touristisch erschlossene Schauhöhlen mit festen, kontrollierten Führungsrouten sind davon zu unterscheiden.

Welche Grotten sind für Besucher zugänglich?

Die Gemeentegrot in Valkenburg lässt sich ganzjährig im Rahmen geführter Touren besichtigen; gezeigt werden unter anderem die Abbaugeschichte, Kriegsspuren und die Fahrradgeschichte der Region, bei konstant rund 12 Grad. Auch die Gangsysteme Zonneberg und Noord im Sint-Pietersberg, seit 1995 von der Naturschutzorganisation Natuurmonumenten verwaltet, sind mit Führung zugänglich, die Tour dauert dort rund drei Stunden. Beide Anlagen sind auf feste, begleitete Rundgänge ausgelegt und liegen außerhalb der eigentlichen, streng gesperrten Fledermaus-Winterquartiere.

Die kleineren Groeven dagegen, etwa die Sibbergroeve – in der bis heute Kalksteinblöcke für Restaurierungszwecke gewonnen werden – oder die Gänge im Cannerberg, in Savelsbos, Bemelerberg & Schiepersberg und im Geuldal, sind größtenteils nicht öffentlich zugänglich. Der überwiegende Teil der rund 250 Mergelgroeven in der Region ist ohnehin entweder wegen Einsturzgefahr gesperrt oder dient gezielt als Fledermaus-Winterquartier.

Führung Grotten
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Schauhöhlen vs. WinterquartiereGanzjährig mit FührungGemeentegrot ValkenburgGeschichte, KriegsspurenZonneberg / NoordSint-Pietersberg,Natuurmonumentenfeste RundgangsrouteWinterquartiergesperrt Sept.–Apr./MaiSibbergroeveCannerbergSavelsbos, Geuldal,Bemelerberg & Schiepersberggeschützt für meervleermuis,ingekorven vleermuis, vale vleermuis
Schauhöhlen mit fester Führung stehen den ganzjährig geschützten Fledermaus-Winterquartieren gegenüber.

Regeln für Besucher

Wer eine der zugänglichen Grotten besucht, bleibt während der gesamten Tour auf dem markierten Weg und in der Gruppe des Guides – ein eigenständiges Erkunden der Seitengänge ist aus Sicherheits- und Naturschutzgründen nicht erlaubt. Fledermäuse sollten grundsätzlich nicht berührt werden; auch wenn Blitzlicht schlafende Tiere selbst kaum stört, wirkt die längere Anwesenheit von Besuchern mit Taschenlampen in ihrer Nähe störend, weshalb Fotos kurz und aus Distanz gemacht werden sollten. Für alle nicht touristisch erschlossenen Groeven gilt: Der eigenmächtige Zugang ist verboten, unabhängig von der Jahreszeit.

Wer nach dem Grottenbesuch noch Zeit in der Region einplant, findet in unmittelbarer Nähe weitere Naturziele: die artenreichen Kalkgraslandschaften, in denen sich seltene Orchideen finden lassen, das anders geprägte Terrassenlandschaft-Gebiet des Nationalparks De Meinweg, das weiße Städtchen Thorn mit seinem denkmalgeschützten Ortskern oder, als kulinarischer Abstecher, die traditionelle Limburgse Vlaai.

Häufig gestellte Fragen

Welche Fledermausarten leben in den Mergelgrotten von Süd-Limburg?

Nachgewiesen sind unter anderem Teichfledermaus, Wimperfledermaus und Großes Mausohr – alle drei europarechtlich besonders geschützt –, dazu Wasserfledermaus, Fransenfledermaus, Bartfledermaus und Braunes Langohr. 2018 wurde im Geuldal die bislang einzige bekannte Wochenstube des Großen Mausohrs in den Niederlanden entdeckt.

Kann man die Fledermäuse dort selbst beobachten?

In den touristisch geführten Grotten wie der Gemeentegrot Valkenburg oder Zonneberg im Sint-Pietersberg sind gelegentlich einzelne Tiere an Decken oder in Spalten zu sehen. Die eigentlichen Massenwinterquartiere liegen jedoch in gesperrten Groeven, zu denen die Öffentlichkeit keinen Zutritt hat.

Warum sind manche Grotten im Winter geschlossen?

Weil sie als Winterquartier gesetzlich geschützter Fledermausarten dienen. Der Schutzzeitraum reicht in der Regel von September bis Ende April, für die besonders lange schlafende Wimperfledermaus von Mitte August bis Mitte Mai. Störungen in dieser Phase können den Winterschlaf und damit das Überleben der Tiere gefährden.

Wie viele Mergelgrotten gibt es insgesamt in Süd-Limburg?

Schätzungen gehen von rund 250 größeren und kleineren Gangsystemen in der niederländischen Region aus, allein im engeren Gebiet um Gulpen und die Geul mehr als hundert. Die meisten sind entweder wegen Einsturzgefahr gesperrt oder dienen als Fledermausquartier.

Ist die Gemeentegrot Valkenburg ganzjährig geöffnet?

Ja, geführte Touren finden dort das ganze Jahr über statt, da es sich um eine touristisch erschlossene Schauhöhle mit fester Route handelt und nicht um eines der abgeschotteten Winterquartiere. Aktuelle Öffnungszeiten und Preise sollten vor der Anreise auf der Website geprüft werden.