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Während der Karnevalszeit tragen mehrere Städte im katholisch geprägten Süden der Niederlande eigene Fantasienamen. Breda heißt in diesen Tagen „Kielegat“, ’s-Hertogenbosch wird zu „Oeteldonk“. Beide Städte feiern die „vijfde seizoen“ (fünfte Jahreszeit) auf ihre eigene, von rheinischen Karnevalshochburgen wie Köln oder Mainz deutlich unterschiedene Art.
Historischer Hintergrund
Der Karneval geht auf mittelalterliche kirchliche Bräuche vor Beginn der vorösterlichen Fastenzeit zurück, in denen sich religiöse und weltliche Elemente vermischten. Während der Reformation ging die Tradition in den protestantisch geprägten nördlichen Gebieten der Niederlande weitgehend zurück, in den katholisch gebliebenen südlichen Provinzen Noord-Brabant und Limburg – ähnlich wie andere religiös geprägte Bräuche der Zeit, etwa jene, die auch der Bildersturm beeinflusste – blieb sie dagegen lebendig und wurde über Jahrhunderte weitergepflegt.
Der organisierte Karneval in Den Bosch geht maßgeblich auf die 1882 gegründete „Oeteldonksche Club“ zurück, die bis heute für die Organisation der Feierlichkeiten in der Stadt eine zentrale Rolle spielt. In Breda übernimmt die Stichting Kielegat eine vergleichbare Aufgabe für die dortigen Festlichkeiten. Diese Vereinstradition entstand in einer Zeit, in der auch das Haus Oranien als Königshaus der Niederlande längst gefestigt war. Nach dem Zweiten Weltkrieg erlebte der Karneval in beiden Städten eine Wiederbelebung und wurde seither immer wieder um neue, zeitgenössische Elemente ergänzt, ohne die traditionellen Kernrituale aufzugeben.
Der Name Oeteldonk setzt sich aus zwei Bestandteilen zusammen: „Oetel“ ist im Bosch-Dialekt eine spielerische Bezeichnung für einen Frosch, „donk“ bezeichnet in alten brabantischen Ortsnamen eine erhöhte Stelle im Sumpfland. Der Name verweist damit auf die feuchte, von Moorland umgebene Lage der mittelalterlichen Stadt. Der Frosch in den Farben Rot-Weiß-Gelb ist bis heute das zentrale Wappentier Oeteldonks und ziert Kleidung, Fahnen und Orden der Karnevalsvereine.
Breda trägt den Namen Kielegat erst seit 1971: Beim damaligen Karnevalsthema schnitt Prinz Driekus symbolisch ein Loch in seinen Bauernkiel. Eine ältere Erklärung verbindet den Namen mit dem Turfschip van Breda, dem als Torfschiff getarnten Boot, mit dem Prinz Moritz von Oranien die Stadt 1590 von den Spaniern zurückeroberte. Organisatorisch liegt die Verantwortung für den Bredaer Karneval bereits seit 1953 bei der Stichting Kielegat, die bis heute Programm und Umzüge der fünften Jahreszeit koordiniert.
Elfte des Elften: der Auftakt der Vorbereitungen
Am 11. November, der „Elften des Elften“, beginnen die Karnevalsvereine traditionell mit den Vorbereitungen für die kommende Saison. Die Tradition geht auf das 1823 in Köln gegründete Festkomitee zurück, das dem rheinischen Karneval erstmals eine feste Organisationsstruktur mit Prinz, Sitzungen und einer festen Saisoneröffnung gab. Über Limburg, wo Städte wie Maastricht, Venlo und Roermond den Tag bis heute groß feiern, gelangte der Brauch auch nach Brabant und wurde dort unter anderem in Oeteldonk und Kielegat übernommen. Die Elf selbst gilt im Karneval traditionell als „Narrenzahl“: Sie liegt knapp unter der als vollkommen geltenden Zahl zwölf und steht damit sinnbildlich für das Unvollkommene, Ausgelassene der fünften Jahreszeit.
Ablauf der Feierlichkeiten
Schlüsselübergabe und Prins Carnaval
Zum Auftakt übergibt der Bürgermeister symbolisch den Stadtschlüssel an den „Prins Carnaval“, der für die Dauer der Feierlichkeiten die Stadt anführt. Ihm zur Seite steht traditionell ein „Raad van Elf“ (Rat der Elf), ein Gremium, das die Organisation der Festtage begleitet. Der Rat besteht, wie der Name andeutet, aus elf Mitgliedern und stattet bereits ab dem 11. November offizielle Antrittsbesuche bei befreundeten Karnevalsvereinen sowie beim Bürgermeister und den Beigeordneten ab. Diese Schlüsselübergabe markiert symbolisch, dass für einige Tage die gewohnte Ordnung auf den Kopf gestellt wird.
Umzüge und das Ende am Aschermittwoch
Der eigentliche Karneval dauert traditionell drei Tage, von Sonntag bis Dienstag, und fällt als beweglicher Termin in die Wochen vor Ostern; der abschließende Dienstag wird auch Vastenavond genannt. An den Karnevalstagen ziehen geschmückte Wagen (praalwagens) durch die Innenstädte, begleitet von Musikkapellen und kostümierten Gruppen. In manchen Orten der Region endet der Karneval mit der symbolischen Verbrennung einer Strohfigur, die den Karneval selbst darstellt – ein Brauch, der entfernt an die rheinische Nubbelverbrennung erinnert. Mit dem Aschermittwoch endet die fünfte Jahreszeit offiziell, und die traditionelle Fastenzeit beginnt.
Kostüme und Bräuche
Traditionelle Karnevalskleidung in der Region orientierte sich lange an einfacher Landbevölkerungskleidung aus Wolle und Leinen, ergänzt um Holzschuhe. Heute dominieren zunehmend aufwendige Gruppenkostüme, bei denen sich ganze Vereine oder Freundeskreise unter einem gemeinsamen Thema verkleiden. Jede Stadt pflegt dabei ihre eigenen Karnevalsfarben, die sich an der lokalen Symbolik orientieren und Kostüme, Fahnen und Dekoration prägen. In Oeteldonk gehört zudem das Tragen von Emblemen zur festen Tradition: kleine Anstecker in unterschiedlichen Formen und Farben markieren die Zugehörigkeit zu einem Karnevalsverein oder besondere Verdienste und werden sichtbar auf der Kleidung getragen. Erfahrene Karnevalisten erkennen an Art und Anordnung der Embleme häufig, welchem Verein ihr Träger angehört.
Musik als Herzstück des Karnevals
Karnevalslieder werden traditionell im lokalen Brabanter Dialekt gesungen und sind fester Bestandteil der Feierlichkeiten. Sie erzählen von lokalen Ereignissen und stärken den Lokalpatriotismus. Blaskapellen und Trommlergruppen begleiten die Umzüge und sorgen für den charakteristischen Klang der Karnevalstage.
Karnevalsnamen im regionalen Vergleich
Oeteldonk und Kielegat stehen in einer Reihe mit weiteren Fantasienamen, die südniederländische Städte während der Karnevalszeit annehmen. Tilburg heißt in diesen Tagen „Kruikenstad“, benannt nach der traditionellen Tonkrug-Herstellung der Stadt. Eindhoven wird zu „Lampegat“, ein Verweis auf die Glühlampenproduktion des früheren Philips-Konzerns, der die Stadt über weite Teile des 20. Jahrhunderts prägte.
In der Provinz Limburg unterscheidet sich die Karnevalskultur spürbar von der brabantischen Variante: Statt erfundener Fantasienamen dominiert dort meist der lokale Dialektname der Stadt, etwa Mestreech für Maastricht oder Vallekeberg für Valkenburg. Der Ablauf der Feierlichkeiten ähnelt sich zwischen beiden Provinzen dennoch stark, mit Prins Carnaval, Raad van Elf, Schlüsselübergabe und Umzügen als gemeinsamen Elementen der fünften Jahreszeit.
Bedeutung für die Gemeinschaft
Örtliche Karnevalsvereine tragen die Organisation der Feierlichkeiten in beiden Städten. Neben Umzügen und Festen engagieren sich manche Vereine auch sozial, etwa mit Aktionen für einkommensschwache Familien. Für die lokale Gastronomie und den Einzelhandel sind die Karnevalstage traditionell umsatzstarke Tage. Vor allem aber ist der Karneval für viele Bewohnerinnen und Bewohner von Oeteldonk und Kielegat ein Fest, das Generationen verbindet und über das Jahr hinweg vorbereitet wird.
Häufig gestellte Fragen
Warum heißt Den Bosch während des Karnevals „Oeteldonk“?
Der Name geht auf die 1882 gegründete Oeteldonksche Club zurück, die den organisierten Karneval in der Stadt maßgeblich prägte und bis heute mitorganisiert.
Was bedeutet „Kielegat“?
„Kielegat“ ist der traditionelle Karnevalsname für Breda und wird während der fünften Jahreszeit anstelle des offiziellen Stadtnamens verwendet.
Warum wird der Karneval vor allem im Süden der Niederlande gefeiert?
Die Tradition ist eng mit dem katholischen Kirchenjahr verbunden. In den protestantisch geprägten nördlichen Provinzen ging der Brauch nach der Reformation weitgehend zurück, in Noord-Brabant und Limburg blieb er dagegen fest verankert.
Wer ist der „Prins Carnaval“?
Er ist die zentrale Figur der Feierlichkeiten und übernimmt symbolisch für die Dauer des Karnevals die Führung der Stadt, unterstützt vom „Raad van Elf“.
Wann endet der Karneval?
Der Karneval endet mit dem Aschermittwoch, dem Beginn der traditionellen vorösterlichen Fastenzeit.







