Notrufnummern und medizinische Versorgung für Touristen in den Niederlanden

Wie in den meisten EU-Ländern erreichen Sie in den Niederlanden bei lebensbedrohlichen Notfällen die zentrale Notrufnummer 112 – kostenfrei, rund um die Uhr, aus jedem Netz und ohne Vorwahl. Daneben gibt es einige weitere Anlaufstellen, die im Alltag oder bei weniger dringenden Anliegen wichtig werden können.

Die wichtigsten Nummern im Überblick

Notrufnummern Niederlande

Nummer Zuständigkeit Erreichbarkeit
112 Rettungsdienst, Feuerwehr, Polizei bei akuter Gefahr 24/7, kostenfrei
0900-8844 Polizei, nicht dringende Fälle (z. B. Diebstahl, Anzeige) 24/7, kostenpflichtig (Ortstarif)
Huisartsenpost vor Ort Ärztlicher Bereitschaftsdienst außerhalb der Praxiszeiten Regional unterschiedlich

112: Für lebensbedrohliche Notfälle

112 verbindet Sie mit Rettungsdienst, Feuerwehr und Polizei gleichzeitig – anders als in Deutschland gibt es keine separaten Nummern für die einzelnen Dienste. Wählen Sie 112 bei Situationen wie Herzinfarkt, Atemnot, schweren Verletzungen oder einem Verkehrsunfall mit Verletzten. Die Leitstelle fragt Ort, Art des Notfalls und Anzahl der Betroffenen ab; viele Mitarbeiter sprechen auch Englisch. Deutsch wird an der Leitstelle nicht durchgängig gesprochen, weshalb es hilft, den Notfall notfalls auf Englisch oder mit wenigen niederländischen Schlüsselwörtern schildern zu können; wichtig ist vor allem, den genauen Standort zu nennen.

0900-8844: Polizei bei nicht dringenden Fällen

Für Anliegen ohne akute Gefahr – etwa eine Anzeige, verdächtige Beobachtungen oder eine Falschparker-Meldung – ist die Polizei unter 0900-8844 erreichbar, ebenfalls rund um die Uhr, allerdings zum normalen Ortstarif statt kostenfrei.

Medizinische Versorgung außerhalb von Notfällen

Notrufnummern Niederlande Deutschland Vergleich

Huisartsenpost (ärztlicher Bereitschaftsdienst)

Für dringende, aber nicht lebensbedrohliche Beschwerden außerhalb der regulären Praxiszeiten – abends, nachts, am Wochenende oder an Feiertagen – ist die sogenannte huisartsenpost zuständig. Es gibt dafür keine einheitliche Landesnummer, jede Region hat ihre eigene huisartsenpost mit eigener Telefonnummer. Am schnellsten finden Sie die zuständige Stelle über eine Suche nach „huisartsenpost“ plus Ortsname, oder Sie fragen in Ihrer Unterkunft nach.

Beim Anruf übernimmt zunächst eine Doktersassistentin die sogenannte Triage: Sie fragt nach Beginn, Art und Schwere der Beschwerden sowie nach Fieber und stuft danach ein, wie dringend die Behandlung ist. Ergibt sich dabei doch eine lebensbedrohliche Situation, wird über die Leitstelle direkt ein Rettungswagen alarmiert. In weniger dringenden Fällen bekommen Sie entweder einen Termin vor Ort, einen Hausbesuch oder einen Selbsthilfe-Rat mit der Bitte, sich bei Verschlechterung erneut zu melden.

Apotheken

Apotheken (apotheken) sind tagsüber gut verfügbar. Außerhalb der regulären Öffnungszeiten übernimmt eine Dienstapotheke (dienstapotheek) die Versorgung; welche das in der jeweiligen Region ist, verrät meist ein Aushang an der geschlossenen Apotheke oder die huisartsenpost.

Krankenhäuser

Die Notaufnahmen (spoedeisende hulp) niederländischer Krankenhäuser sind für akute, schwere Fälle da. Für alles, was nicht lebensbedrohlich ist, ist der Weg über die huisartsenpost der übliche erste Schritt – ein direkter Besuch der Notaufnahme ohne vorherige Anmeldung ist in den Niederlanden unüblicher als in Deutschland und kann dort im Zweifel abgewiesen oder zurück an die huisartsenpost verwiesen werden.

Zahnärztlicher Notdienst

Auch für akute Zahnschmerzen außerhalb der regulären Praxiszeiten gibt es einen regional organisierten Notdienst, die tandartsendienst. Wie bei der huisartsenpost gibt es keine einheitliche Landesnummer; die zuständige Praxis lässt sich am schnellsten über eine Suche nach „tandartsendienst“ plus Ortsname finden, oder Sie fragen bei Ihrer Unterkunft oder der huisartsenpost nach, die oft auch für zahnmedizinische Notfälle weiterverweisen kann.

Kostenübernahme für EU-Bürger

Mit der Europäischen Krankenversicherungskarte (EHIC), die bei gesetzlich Versicherten in Deutschland automatisch auf der Rückseite der Versichertenkarte aufgedruckt ist, werden medizinisch notwendige Behandlungen während des Aufenthalts in der Regel wie bei gesetzlich Versicherten vor Ort abgerechnet. Die Karte gilt allerdings nur bei Anbietern des öffentlichen Gesundheitssystems, nicht bei privaten Praxen oder Kliniken; die deutsche Krankenkasse übernimmt zudem höchstens den Betrag, der für eine vergleichbare Behandlung in Deutschland angefallen wäre. In der Praxis wird die Karte nicht überall sofort akzeptiert – dann zahlen Sie zunächst selbst und reichen die Rechnung anschließend bei der Krankenkasse ein.

Für Selbstständige, Privatversicherte oder längere Aufenthalte lohnt sich vorab ein Blick in die eigenen Versicherungsbedingungen, da nicht jede Behandlung automatisch abgedeckt ist. Ein wichtiger Punkt, der oft übersehen wird: Weder die EHIC noch die gesetzliche Krankenversicherung übernehmen die Kosten eines medizinisch notwendigen Rücktransports nach Deutschland, dieser ist ausdrücklich vom Sozialversicherungsabkommen ausgenommen. Eine zusätzliche Auslandsreise-Krankenversicherung, die auch den Rücktransport abdeckt, ist deshalb für jede Reise empfehlenswert und meist schon für einen kleinen Jahresbeitrag erhältlich.

Praktische Vorbereitung

  • Speichern Sie 112 und 0900-8844 vor der Reise im Handy, auch wenn Roaming nicht funktioniert – Notrufe sind in der EU auch ohne aktive SIM-Karte möglich.
  • Halten Sie bei einem Notruf Ort, Art des Notfalls und Anzahl der Betroffenen bereit, das beschleunigt die Vermittlung.
  • Bei Allergien oder chronischen Erkrankungen empfiehlt sich ein mehrsprachiger Allergiepass oder Medikamentenplan im Gepäck.
  • Für Unwetterwarnungen und andere amtliche Gefahrenmeldungen gibt es die kostenlose, offizielle App NL-Alert.
  • Notieren Sie sich zusätzlich die Adresse der nächstgelegenen deutschen Botschaft oder eines Konsulats für den Fall von Passverlust oder anderen konsularischen Anliegen.

Deutsche Botschaft und Generalkonsulat

Zuständig für konsularische Angelegenheiten in den Niederlanden ist die Deutsche Botschaft in Den Haag, mit dem Generalkonsulat Amsterdam (Honthorststraat 36–38, 1071 DG Amsterdam) als Außenstelle für das gesamte niederländische Staatsgebiet. Bei Passverlust lässt sich dort in dringenden Ausnahmefällen ein vorläufiger Reisepass beantragen, allerdings nur nach vorheriger Terminvereinbarung über das Online-Terminsystem. Für akute Notfälle außerhalb der telefonischen Sprechzeiten empfiehlt sich zunächst der Kontakt über die reguläre Rufnummer des Generalkonsulats, die auch auf einen Notfalldienst verweist.

Wer sich auch sonst auf die Reise vorbereiten möchte, findet ergänzende Hinweise etwa zur SIM-Karte oder eSIM für die Niederlande, damit im Ernstfall auch unterwegs eine Internetverbindung besteht. Barrierefrei Reisende sollten zusätzlich den Beitrag Barrierefrei reisen in den Niederlanden lesen. Praktisch ist außerdem, sich vorab über die Museumkaart für Touristen und die Anreise in die Niederlande zu informieren, um die Reise insgesamt gut zu planen.

Welche Nummer brauche ich? Lebensbedrohlich (Unfall, Atemnot) 112 Polizei, nicht dringend 0900-8844 Medizinisch, außerhalb Praxiszeiten Huisartsenpost vor Ort Im Zweifel gilt: lieber 112 wählen
Entscheidungshilfe, welche Nummer bei welchem Anliegen zuständig ist.

Häufig gestellte Fragen

Welche Nummer wähle ich bei einem lebensbedrohlichen Notfall?

112. Sie erreichen darüber gleichzeitig Rettungsdienst, Feuerwehr und Polizei, kostenfrei und rund um die Uhr.

Gibt es eine landesweite Nummer für den ärztlichen Bereitschaftsdienst?

Nein. Die huisartsenpost ist regional organisiert; die passende Nummer finden Sie über eine Suche mit Ortsnamen oder durch Nachfrage in Ihrer Unterkunft.

Werden Behandlungskosten für deutsche Touristen übernommen?

Mit der Europäischen Krankenversicherungskarte werden medizinisch notwendige Behandlungen in der Regel wie bei gesetzlich Versicherten abgerechnet. Details hängen von der eigenen Krankenkasse ab.

Kann ich 112 auch ohne funktionierende SIM-Karte anrufen?

Ja, der Euronotruf 112 lässt sich in der EU grundsätzlich auch ohne aktive SIM-Karte oder Guthaben wählen, solange ein Mobilfunknetz verfügbar ist.