Die Flusslandschaft der IJssel

Beitragsbild: Foto: Michielverbeek, „Tussen Welsum en Welsumerveld, de uiterwaarden van de IJssel IMG 3341 2018-05-09 14.46“, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Die IJssel ist ein nördlicher Arm des Rheins und fließt auf rund 123 Kilometern von Arnheim bis Kampen, wo sie ins IJsselmeer mündet – den größten Binnensee der Niederlande, den sie als wichtigster Süßwasserzubringer versorgt. Entlang des Flusses liegen alte Hansestädte, weite Auenlandschaften und Naturschutzgebiete, die zusammen eine der abwechslungsreichsten Flusslandschaften des Landes bilden.

IJssel auf einen BlickZum ausführlichen Reiseprofil
Stärken
Kultur & Geschichte 4/5 · Natur & Landschaft 4/5
Beste Zeit
Frühling und Sommer
Aufwand
Wochenende · kostenlos · draußen
Andrang
Moderat, an sonnigen Wochenenden mehr Betrieb auf den Radrouten

Geografie und Bedeutung im Rheinsystem

Die IJssel durchquert die Provinzen Gelderland und Overijssel und ist durch die Moränenhügel der Veluwe von den anderen Rheinarmen getrennt. Bei Doesburg zweigt sie sich mit der Oude IJssel und ist über den Pannerdens Kanaal mit dem Nederrijn verbunden – eine hydrologische Besonderheit, die die Wasserverteilung im gesamten Rheindelta beeinflusst. Ihr Einzugsgebiet umfasst etwa 4.270 Quadratkilometer, der mittlere Abfluss liegt bei rund 380 Kubikmetern pro Sekunde. Zu ihren wichtigsten Nebenflüssen zählen die Berkel, der Schipbeek und die Oude IJssel.

Die IJssel Nördlicher Rheinarm, Gelderland/Overijssel Länge ca. 123 km Verlauf Arnheim → Kampen Mündet in IJsselmeer
Die IJssel auf einen Blick

Geschichte: Von der Römerzeit bis zum modernen Wassermanagement

Hansestadt Deventer mit Lebuinuskirche, vom gegenüberliegenden IJsselufer gesehen
Foto: Gouwenaar, „20150624 Zicht op Deventer1 met Grote of Lebuinuskerk“, CC0, via Wikimedia Commons

Die Nutzung der IJssel als Wasserweg reicht bis in die Römerzeit zurück. Die sogenannte Fossa-Drusiana-Theorie geht davon aus, dass die Römer hier einen Kanal anlegten, um den Transport zu erleichtern; archäologische Spuren bei Westervoort werden als möglicher Beleg diskutiert, auch wenn die genaue Deutung unter Fachleuten nicht abschließend geklärt ist. Im Mittelalter entwickelte sich der Fluss zu einer wichtigen Handelsroute, von der Hansestädte wie Deventer und Zutphen profitierten.

In den folgenden Jahrhunderten wurde der ursprünglich frei mäandrierende Fluss zunehmend reguliert: Zwischen 1701 und 1707 entstand der Pannerdens Kanaal zur Verbesserung von Schifffahrt und Hochwasserschutz, ein Wasservertrag zwischen Preußen und den Niederlanden von 1771 regelte die Wasserverteilung zwischen Nederrijn und IJssel, und mit dem Bau des Abschlussdeichs 1932 veränderten sich die Mündungsbedingungen grundlegend. Der Stuw bij Driel, ein Wehr zur Abflussregulierung, folgte um 1970 im Rahmen der fortlaufenden Anpassung des Wassermanagements.

Naturschutzgebiete und Vogelbeobachtung

Die Duursche Waarden bei Olst zählen zu den ersten renaturierten Flussgebieten entlang der IJssel. Ein Aussichtsturm und Vogelbeobachtungshütten bieten Gelegenheit, Arten wie Fischadler, Eisvogel und Uferschnepfe zu beobachten. Bei Den Nul erinnert die „Ruige Route“ an die frühere Ziegelindustrie der Region und führt an Relikten alter Ziegeleien vorbei.

Rad- und Wanderwege sowie kulturelle Highlights

Die IJsseltal-Route, eine rund 41 Kilometer lange Radstrecke, führt an Hofläden und regionalen Erzeugern entlang des Flusses vorbei. Für Wanderer bieten sich die Auenlandschaften an, festes Schuhwerk ist bei feuchten Wegabschnitten empfehlenswert. Die Berkelroute kombiniert Radwege mit Wasserwanderabschnitten und wechselnden Blicken auf Fluss und Landschaft.

Kulturell hat die Region einiges zu bieten: Huis Landfort, der DRU Industriepark in Ulft und die historische Mosterdmakerij in Doesburg zeugen von unterschiedlichen Kapiteln der regionalen Geschichte. Die IJssellinie, eine niederländische Verteidigungsanlage aus der Zeit des Kalten Krieges, ist ein bemerkenswertes Zeugnis dieser Epoche. Am Bussloo-See bei Voorst lässt sich der Tag mit Baden oder einem Besuch der dortigen Therme ausklingen.

Weitere Naturziele entlang der Flüsse

Wer die IJssel-Region erkundet hat, findet mit dem Nationalpark Biesbosch ein weiteres bedeutendes Flussdelta-Naturgebiet der Niederlande. Auch der Nationalpark Hoge Veluwe, nur wenig westlich der IJssel gelegen, bietet einen deutlichen Kontrast mit seinen Wäldern und Heideflächen. Wer die niederländische Wasserlandschaft aus einer anderen Perspektive erleben möchte, kann dies etwa beim Kajakfahren auf den Grachten tun; für weitere Anregungen abseits der bekannten Ziele lohnt sich ein Blick auf die Naturschätze der Niederlande.

Für wen sich eine Reise entlang der IJssel lohnt

Reiseprofil: IJssel
Wofür sich das Ziel eignet
Familie & Kinder
2/5
Action & Abenteuer
2/5
Wellness & Erholung
3/5
Kultur & Geschichte
4/5
Natur & Landschaft
4/5
Wasser & Strand
3/5
Städtetrip & Shopping
3/5
Kulinarik & Genuss
2/5
Preis-Leistung und Fotomotiv
Preis-Leistung
5/5
Fotomotiv
4/5
Beste Reisezeit
Frühling
ideal
Sommer
ideal
Herbst
gut
Winter
möglich
Gut zu wissen
Zeitbedarf
Wochenende – der Fluss lässt sich abschnittsweise mit dem Rad erkunden
Budget
Kostenlos – Auen, Deiche und Radwege frei zugänglich, Museen und Therme kostenpflichtig
Wetter
Outdoor – bei Regen bieten die Hansestädte Ausweichziele
Andrang
Moderat, an sonnigen Wochenenden mehr Betrieb auf den Radrouten
Übernachtung
In der Region – Deventer, Zutphen, Doesburg und Kampen liegen am Fluss
Barrierearm / Kinderwagen
Eingeschränkt – Deichwege meist befestigt, Auenpfade teils feucht und uneben
Hunde
Regeln der einzelnen Schutzgebiete vor dem Besuch beim Gebietsverwalter prüfen
Anreise
Auto oder Bahn in die Hansestädte, vor Ort mit dem Rad oder Kanu
Die IJssel ist kein Einzelziel, sondern eine Flusslandschaft, die man am besten Etappe für Etappe mit dem Rad erschließt.
Redaktionelle Einschätzung der Niederlandenet.de-Redaktion, Stand September 2026. Preise, Öffnungszeiten und Andrang können abweichen – Angaben ohne Gewähr.

Die IJssel passt vor allem zu Radreisenden, die Landschaft und Stadtgeschichte verbinden möchten. Zwischen Arnheim und Kampen wechseln sich Auen, Deiche und alte Hansestädte wie Deventer, Zutphen und Doesburg ab, sodass sich eine Tour gut in Tagesetappen gliedern lässt. Wer Vögel beobachten will, findet in den renaturierten Duursche Waarden bei Olst einen Aussichtsturm und Beobachtungshütten. Auch Interessierte an Wasserbau und Militärgeschichte kommen auf ihre Kosten, etwa an der IJssellinie aus der Zeit des Kalten Krieges.

Weniger geeignet ist der Fluss für Reisende, die ein kompaktes Ausflugsziel mit festem Eingang und klarem Programm suchen. Die Sehenswürdigkeiten verteilen sich über viele Kilometer, und wer nur einen Nachmittag Zeit hat, sieht bestenfalls einen Abschnitt. Familien mit kleinen Kindern finden eher am Bussloo-See bei Voorst, wo gebadet werden kann, einen passenden Anlaufpunkt als auf langen Deichstrecken.

Am meisten lohnt sich der Besuch im Frühling und Sommer: Dann brüten Arten wie die Uferschnepfe in den Auen, und die Radrouten entlang des Flusses sind gut befahrbar. Im Herbst ist es ruhiger, im Winter können die Uferwiesen bei Hochwasser überflutet sein. Planen Sie für die Auenpfade festes Schuhwerk ein und nehmen Sie ein Fernglas mit, wenn Sie in den Beobachtungshütten Zeit verbringen möchten.

IJssel auf einen Blick
Angabe Details
Lage Provinzen Gelderland und Overijssel
Charakter Rheinarm mit Auen, Deichen und alten Hansestädten
Länge rund 123 km von Arnheim bis Kampen
Mündung Ketelmeer am IJsselmeer bei Kampen
Wichtige Stationen Deventer, Zutphen, Doesburg, Duursche Waarden bei Olst
Radrouten IJsseltal-Route (rund 41 km), Berkelroute
Beste Reisezeit Frühling und Sommer
Aufenthaltsdauer Ein Wochenende, abschnittsweise
Anreise Über die Städte am Fluss, vor Ort per Rad, zu Fuß oder mit dem Kanu
Luftlinie ab Köln 199 km, Düsseldorf 164 km, Münster 140 km, Hamburg 298 km
Nächster Autobahn-Grenzübergang A3/A12 Emmerich–Zevenaar (84 km Luftlinie)
Stand September 2026. Quellen: Beitrag, Wikidata; Luftlinien aus Koordinaten berechnet. Angaben ohne Gewähr.

Häufig gestellte Fragen

Wie lang ist die IJssel und wo mündet sie?

Die IJssel ist rund 123 Kilometer lang, beginnt bei Arnheim und mündet bei Kampen ins IJsselmeer.

Welche Städte liegen an der IJssel?

Zu den bekanntesten Städten zählen die früheren Hansestädte Deventer, Zutphen und Doesburg sowie Kampen an der Mündung.

Welche Vögel lassen sich entlang der IJssel beobachten?

In den Auengebieten wie den Duursche Waarden sind unter anderem Fischadler, Eisvogel und Uferschnepfe zu sehen.

Wie lässt sich die IJssel am besten erkunden?

Die IJsseltal-Route und die Berkelroute bieten gut ausgebaute Radwege entlang des Flusses; wer es ruhiger mag, erkundet die Auenlandschaften zu Fuß oder per Kanu.