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Neunzehn Windmühlen, drei Pumpwerke und ein Netz aus Wasserläufen und Speicherbecken: Das Mühlengebiet von Kinderdijk in der Provinz Zuid-Holland zeigt an einem Ort, wie die Niederländer seit Jahrhunderten ihr Land trocken halten. Seit 1997 steht die Anlage als „Mill Network at Kinderdijk-Elshout“ auf der UNESCO-Welterbeliste. Für deutsche Besucher ist sie ein halber bis ganzer Tag, am einfachsten als Ausflug von Rotterdam aus, das nur rund 11 Kilometer Luftlinie entfernt liegt.
Mit dem Auto sind es ab dem Grenzübergang Emmerich–Zevenaar rund 127 Straßenkilometer, von Düsseldorf aus 165 Kilometer Luftlinie, von Köln 193. Mit der Bahn geht es per ICE bis Utrecht, von dort voraussichtlich mit Umstieg weiter nach Rotterdam und dann mit Bus oder Schiff an den Deich. Das Mühlengebiet selbst ist auch außerhalb der Öffnungszeiten zugänglich. Ein Ticket brauchen Sie erst für Museumsmühlen, Pumpwerk und Rundfahrtboot.
Frei begehbar oder mit Ticket: so ist der Besuch in Kinderdijk geregelt
Viele Besucher erwarten ein eingezäuntes Areal. Tatsächlich sind die Wege entlang der Mühlen auch ohne Ticket zugänglich, ebenso vor neun Uhr morgens und nach Kassenschluss. Bezahlt wird nur für die Besucherorte: die beiden Museumsmühlen, das Pumpwerk Wisboom, Film und Ausstellung im Hilfspumpwerk De Fabriek (die „Fabrik“), das Vogeltheater, die Audiotouren und die Bootsrundfahrt. Die wichtigsten Eckdaten für die Planung fasst die folgende Übersicht zusammen.
Erwachsene zahlen an der Kasse 21 €, Kinder von 4 bis 12 Jahren 9 €, jüngere Kinder sind frei. Online gebucht gibt es automatisch 10 % Nachlass. Das E-Ticket auf dem Smartphone genügt, umtauschen oder stornieren lässt es sich nicht. Zwei Dinge überraschen deutsche Gäste regelmäßig: Die Museumskarte (Museumkaart) bringt hier keine Ermäßigung, und an keinem Besucherort wird Bargeld angenommen. Halten Sie also eine Debit- oder Kreditkarte bereit, auch für Café und Schließfächer (je nach Größe 6 bis 10 € am Tag).
Geöffnet sind die Besucherorte vom 6. März bis 1. November 2026 täglich von 9 bis 17.30 Uhr, danach bis Ende Dezember von 10.30 bis 16 Uhr. Am 25. Dezember bleibt alles zu.
Von der Wippmühle bis zum Welterbe: Kinderdijk in drei Stationen
1630 bis 1761: die Mühlen entstehen
Das älteste Bauwerk ist die Blokweer-Mühle von 1630, eine Wippmühle (wipmolen), bei der nur der obere Teil mit den Flügeln in den Wind gedreht wird. Den Großteil der Anlage bauten die Wasserverbände 1738 bis 1740: acht Mühlen für die Nederwaard, den „unteren Polderbezirk“, und acht für die Overwaard, den „oberen“. Die Hoge Molen in Nieuw-Lekkerland kam 1740 hinzu, die Lage Molen wurde 1761 neu errichtet. Acht Mühlen sind runde Backsteinbauten, zehn achteckige Holzmühlen mit Reetdach.
1868 bis 1972: Dampf, Diesel und Strom
Van Haaften und Wisboom gingen beide 1868 als Dampfpumpen in Betrieb. Van Haaften lief ab 1918 mit Diesel und wurde 1972 durch das Pumpwerk J.U. Smit ersetzt, Wisboom arbeitete ab 1924 elektrisch und ist heute Museum. In Betrieb ist heute das Pumpwerk G.N. Kok.
1997 bis heute: Welterbe mit Bewohnern
Am 6. Dezember 1997 nahm die UNESCO das Mühlennetz auf, samt Pumpwerken, Auslassschleusen und den beiden Versammlungshäusern der Wasserverbände. Viele Mühlen sind bis heute von Müllerfamilien bewohnt. Über 900.000 Menschen kommen pro Jahr, rund 370.000 davon kauften 2025 ein Ticket.
Warum die beiden Mühlenreihen verschieden stehen
Auf dem Deich fallen zwei Reihen auf. Die Nederwaard-Mühlen stehen versetzt, damit keine der anderen den Wind nimmt. Die Overwaard-Mühlen stehen in einer geraden Linie, weil der Deich dort für eine versetzte Anordnung zu schmal war.

Beide Gruppen schöpfen das Wasser aus den tief liegenden Poldern in höher gelegene Speicherbecken, niederländisch boezem, von wo es über Schleusen abfließt. Das Gegenstück aus dem 20. Jahrhundert, bei dem Deiche und Pumpen ganze Provinzen schufen, beschreibt unser Beitrag über die Zuiderzeewerke.
Museumsmühlen, Pumpwerk Wisboom und Rundfahrtboot vor Ort
Planen Sie mit Ticket drei bis vier Stunden ein, mit Radtour oder ausgiebigem Fotografieren einen ganzen Tag. Zwischen den Stationen liegen längere Fußstrecken auf dem Deich. Ein sinnvoller Ablauf beginnt mit dem Film in De Fabriek, führt zu den Museumsmühlen und endet mit der Bootsfahrt.
Museumsmühle Nederwaard
In der Museumsmühle Nederwaard ist die Müllerwohnung eingerichtet. Sie zeigt, dass die Müllerfamilie in derselben Mühle wohnte, die sie bediente, so wie viele Mühlen bis heute bewohnt sind. Die Treppen sind steil, die Türen eng.

Museumsmühle Blokweer
Die zweite Museumsmühle ist zugleich die älteste der Anlage und hat ebenfalls eine eingerichtete Müllerwohnung. Im direkten Vergleich wird der Unterschied zwischen der kleinen Wippmühle und den großen Backsteinmühlen der Nederwaard deutlich.

Pumpwerk Wisboom und Rundfahrtboote
Im Pumpwerk Wisboom erklärt ein Modell, wie Mühlen und Maschinen zusammenwirken, ein Mühlenspiel ist vor allem für Kinder gedacht. Das Ticket schließt außerdem eine Bootsfahrt ein. Der Hopper fährt mehrere Anlegestellen an, an denen Sie aus- und wieder einsteigen können, das spart Laufwege. Der Cruiser verkehrt von April bis Oktober auf einer längeren Route ohne Zwischenhalt. Gesteuert werden beide Boote von Freiwilligen.

Anreise nach Kinderdijk aus Deutschland: Auto, Bahn, Bus und WaterShuttle
Mit dem Auto
Ab Emmerich–Zevenaar folgen Sie A3 und A12, wechseln auf die A325 und fahren über die A15 bis Alblasserdam, wo Anzeigetafeln den Weg weisen. Anders als an vielen deutschen Ausflugszielen parken Sie in der Hochsaison nicht am Eingang: Vom 16. März bis 1. November 2026 nutzen Sie das Transferium De Kabelbaan in Alblasserdam. Die 9,75 € pro Auto (Motorrad 2,50 €) schließen den Shuttlebus für alle Insassen ein, der täglich von 9 bis 18 Uhr pendelt. Parken ist nur mit Eintrittsticket möglich, am einfachsten buchen Sie beides zusammen. In der Nebensaison öffnet der Parkplatz am Eingang, ebenfalls für 9,75 € und ohne Reservierung. Wohnmobile stehen an der Lekdijk in Nieuw-Lekkerland, 1,7 Kilometer vom Eingang, für 12,50 € am Tag von 8 bis 20 Uhr, Übernachten ist verboten.
Mit Bahn und Bus
Der ICE aus Frankfurt über Köln, Düsseldorf und Oberhausen hält in Utrecht Centraal. Nach Rotterdam Centraal geht es von dort voraussichtlich mit einem Intercity der NS weiter; ob ein Umstieg in Utrecht zu Ihrer Reisezeit die passende Verbindung ist, prüfen Sie vorab im Reiseplaner der NS. Weiter geht es mit der Metro A, B oder C bis Kralingse Zoom oder mit der Tram 3 bis P+R Beverwaard. Von dort fährt Bus 489 täglich zweimal pro Stunde in rund 35 Minuten bis Kinderdijk Molenkade. Aus Dordrecht nehmen Sie Bus 416 bis Alblasserdam Scheldeplein und steigen dort in die 489 um. In den Qbuzz-Bussen zahlen Sie mit Karte oder OV-chipkaart, die Tageskarte der Rotterdamer RET gilt nicht, die Toeristische Dagkaart schon.
Mit dem WaterShuttle ab Rotterdam
Seit dem 6. Oktober 2025 fährt die frühere Waterbus-Linie 21 nur noch als touristischer WaterShuttle, und zwar freitags, samstags und sonntags. Abfahrt ist an der Willemskade nahe der Erasmusbrug, die Fahrt dauert rund 30 Minuten und kostet einfach 9,75 €, hin und zurück 19,50 €. Kinder unter 4 Jahren fahren frei, bis 11 Jahre gibt es 50 % Rabatt, Fahrräder kommen kostenlos mit. Der WaterShuttle ist kein Nahverkehr und braucht ein eigenes Ticket; Fahrzeiten nennt der Betreiber des WaterShuttle. Das Kombiticket mit Eintritt buchen Sie über die Kinderdijk-Website, dann ohne Zeitfenster. An vollen Tagen sollten Sie nicht auf die letzte Rückfahrt setzen. Eine Alternative zum WaterShuttle ist die Waterbus-Linie 20 bis Ridderkerk De Schans mit Weiterfahrt auf der Fähre Driehoeksveer (eigenes Ticket).
Radfahrer erreichen den Eingang auch direkt über Radwege. Wie Sie eine solche Strecke planen, erklärt unser Beitrag zu Radtouren mit Knooppunten. Leihräder gibt es am Informationspunkt an der Molenstraat neben dem Eingangsbereich.
Barrierefreiheit, Hunde und Drohnen in Kinderdijk
Rollstuhlfahrer kommen auf den Mühlenhöfen, den Wegen, den Rundfahrtbooten und an fast allen Besucherorten zurecht. Zwei Leihrollstühle stehen kostenlos bereit, eine Reservierung ist nicht möglich. Behindertengerechte Toiletten gibt es im Besucherzentrum und am Gruppeneingang. Das Innere der Museumsmühlen bleibt wegen enger Türen und steiler Treppen unzugänglich. Hunde dürfen angeleint überall mit, auch aufs Boot, nur nicht ins Kinderdijk-Café; Blindenführhunde sind ausgenommen.
Strenger als an vielen Orten in Deutschland sind die Regeln für Drohnen: Ohne Genehmigung dürfen sie nicht aufsteigen, weil das Gebiet unter Natura 2000 fällt und die Mühlen bewohnt sind. Die Gemeindeverordnung (APV) sieht ein Bußgeld von 410 € vor; maßgeblich ist die amtliche Regelung.
Für wen sich der Abstecher nach Kinderdijk lohnt
Technik- und Kulturinteressierte haben hier am meisten davon, denn die Anlage zeigt anschaulich, wie Wasserwirtschaft in den Niederlanden funktioniert. Fotografen profitieren davon, dass die Deichwege auch früh morgens und abends offen sind, wenn das Licht flach über das Wasser fällt und wenig Betrieb herrscht. Radfahrer verbinden die Tour mit dem WaterShuttle, der Fahrräder gratis mitnimmt. Wer einige Tage in Rotterdam verbringt, bekommt hier einen gut planbaren Halbtagesausflug.
Weniger passend ist Kinderdijk für Reisende, die gern bar bezahlen. Rollstuhlfahrer nutzen zwar Gelände und Boote, sehen die Mühlen aber nur von außen. Inhaber der Museumkaart erhalten keine Ermäßigung, und wer mit dem Auto ohne Ticket nur kurz vorbeischauen möchte, findet keinen Parkplatz, der ohne Eintritt nutzbar wäre.
Am besten passen Frühling und Herbst mit langen Öffnungszeiten; im Sommer ist der Andrang hoch, an Wochenenden auch auf dem WaterShuttle, dann hilft ein früher Start. In der ersten vollen Septemberwoche werden die Mühlen von Montag bis Samstag beleuchtet (Illumination Week). Im Winter sind die Tage kurz, bei Frost ziehen gelegentlich Schlittschuhläufer ihre Runden an den Mühlen vorbei.
Häufige Fragen zu Kinderdijk
Braucht man ein Ticket für Kinderdijk?
Nicht für das Mühlengebiet: Die Wege sind ohne Ticket und auch außerhalb der Öffnungszeiten zugänglich. Für Museumsmühlen, Boot, Pumpwerk und Film zahlen Erwachsene 21 €, Kinder von 4 bis 12 Jahren 9 €, online 10 % weniger.
Wie kommt man von Rotterdam nach Kinderdijk?
Freitags bis sonntags mit dem WaterShuttle ab der Willemskade in rund 30 Minuten für 9,75 € einfach. Täglich fährt Bus 489 ab Kralingse Zoom zweimal pro Stunde, Fahrzeit rund 35 Minuten.
Wo parkt man in Kinderdijk?
Vom 16. März bis 1. November am Transferium De Kabelbaan in Alblasserdam, 9,75 € inklusive Shuttlebus, in der Nebensaison am Eingang zum selben Preis. Parken ist nur mit Eintrittsticket erlaubt.
Wie lange ist Kinderdijk geöffnet?
Vom 6. März bis 1. November 2026 täglich von 9 bis 17.30 Uhr, vom 2. November bis Ende Dezember von 10.30 bis 16 Uhr, am 25. Dezember geschlossen.
Dürfen Hunde mit nach Kinderdijk?
Ja, angeleint an allen Besucherorten und auf dem Boot, nicht aber im Kinderdijk-Café.
Seit wann ist Kinderdijk UNESCO-Welterbe?
Seit dem 6. Dezember 1997, geschützt sind 19 Mühlen und 3 Pumpwerke. Den Eintrag führt das UNESCO-Welterbezentrum, Besucherinformationen auf Deutsch bietet die Website des Welterbes Kinderdijk.
Was sich mit Kinderdijk verbinden lässt
Diese Ziele passen zu einem zweiten Tag oder zum Rückweg (Luftlinie ab Kinderdijk):
- Rotterdam (11,2 km): Ausgangspunkt für WaterShuttle und Bus 489; ein eigener Beitrag zu den Sehenswürdigkeiten ist in Vorbereitung.
- Gouda (15,2 km): Käsestadt mit historischem Rathaus am Markt.
- Nationalpark De Biesbosch (16,8 km): Flusslandschaft als Natur-Ergänzung zum Wasserbau von Kinderdijk.
- Delft (23,3 km): Grachtenstadt, bekannt für das Delfter Blau.
- Den Haag (30,8 km): Regierungssitz mit Strand in Scheveningen; ein eigener Beitrag folgt.
Angaben Stand September 2026. Quellen: UNESCO Werelderfgoed Kinderdijk (Betreiber), UNESCO World Heritage Centre, Waterbus / WaterShuttle, Wikidata. Zeiten, Preise und Regeln ändern sich; bitte vor der Reise bei der Gemeinde, dem VVV oder dem Betreiber prüfen.





