Das Künstlerdorf Bergen (Nordholland)

Bergen (NH) liegt zwischen Alkmaar und der Nordseeküste und ist seit rund 100 Jahren als Künstlerdorf bekannt. Zur Gemeinde gehören neben dem Hauptort auch die drei Seebäder Bergen aan Zee, Egmond aan Zee und Schoorl aan Zee, die jeweils einen eigenen Charakter haben. Insgesamt zählt die Gemeinde etwa 29.700 Einwohner.

Bergen als Künstlerdorf

Seit Beginn des 20. Jahrhunderts zieht Bergen Maler, Schriftsteller und Architekten an. Die sogenannte Bergense School – unter anderem mit Malern wie Leo Gestel, Matthieu Wiegman und Dirk Filarski – prägte in den 1910er- und 1920er-Jahren einen eigenständigen Stil zwischen Expressionismus und Kubismus. Diese Tradition ist bis heute sichtbar: Rund um den Park Meerwijk finden sich Villen im Stil der Amsterdamer Schule, die von wohlhabenden Mäzenen und Künstlern der damaligen Zeit errichtet wurden. Der Park entstand 1917/1918 auf Initiative des Amsterdamer Fliesenhändlers Arnold Heystee, der die Architekten J. F. Staal, Margaret Kropholler, Cornelis Jouke Blaauw, Guillaume la Croix und Piet Kramer weitgehend freie Hand bei der Gestaltung von siebzehn Landhäusern ließ – sieben freistehende sowie mehrere Doppel- und Dreifachvillen mit den charakteristischen geschwungenen Reetdächern. Park Meerwijk gilt bis heute als eines der geschlossensten baulichen Zeugnisse der Amsterdamer Schule außerhalb der Hauptstadt.

Museum Kranenburgh

Das Museum Kranenburgh zeigt Werke der Bergense School sowie wechselnde zeitgenössische Ausstellungen. Es öffnete am 29. April 1993 auf Initiative der Bergener Künstler Karel Colnot, David Kouwenaar und Kees den Tex in der Villa Kranenburgh und ist seither der zentrale Ort, um sich einen Überblick über die Kunstgeschichte des Dorfes zu verschaffen. 2013 kam ein Erweiterungsbau mit lichtdurchfluteten Sälen hinzu, in denen das Museum seither wechselnde Ausstellungen zeitgenössischer Kunst zeigt.

Zu den Gründern der Bergense School zählten der französische Maler Henri Le Fauconnier und der Niederländer Piet van Wijngaerdt, die sich bewusst vom Impressionismus abwandten. Um sie gruppierte sich in den folgenden Jahren ein Kreis jüngerer Künstler, aus dem auch Charley Toorop und der Bildhauer John Rädecker hervorgingen.

Geschichte

Bergen wird erstmals in Urkunden aus der Mitte des 10. Jahrhunderts erwähnt, damals als kleine Ansiedlung um eine Kirche, an deren Stelle heute die Ruïnekerk steht. Ursprünglich war Bergen ein Fischer- und Bauerndorf mit Nähe zur Nordsee. Bekannt wurde der Ort überregional durch die Schlacht bei Bergen von 1799, bei der eine rund 35.000 Mann starke anglo-russische Invasionsarmee gegen französisch-batavische Truppen kämpfte und unterlag; schätzungsweise 1.785 russische Soldaten kamen dabei ums Leben. Das Russenmonument im Ort, ein russisches Kreuz an der Ecke Russenweg/Notweg, wurde 1901 errichtet und der zaristischen Regierung Russlands geschenkt; rund um das Monument liegen etwa 560 russische Gefallene begraben. Es erinnert bis heute an dieses Ereignis. Zum 1. Januar 2001 wurden die bis dahin eigenständigen Gemeinden Egmond und Schoorl in die Gemeinde Bergen eingemeindet, wodurch die heutige Struktur mit mehreren Ortsteilen entstand. Seither gehören neben dem Hauptort auch Egmond aan den Hoef, Egmond-Binnen, Egmond aan Zee, Schoorl, Groet, Camperduin und Schoorldam sowie die schon länger eigenständigen Ortsteile Bergen aan Zee zur Gemeinde.

Die Ruïnekerk

Mitten im Ort steht die Ruïnekerk, der Rest einer zwischen 1450 und 1520 errichteten Pilgerkirche. Bergen war seit dem sogenannten Wunder von Bergen 1422 – bei einer Überschwemmung angeschwemmte Hostien sollen sich der Überlieferung nach blutrot verfärbt haben – ein Wallfahrtsort, was den Bau einer vergleichsweise großen Kirche für einen kleinen Ort erklärt. Am 21. Februar 1574, kurz nach der Belagerung von Alkmaar, brannten die Geusen die Kirche vermutlich absichtlich nieder, um sie den anrückenden Spaniern nicht zu überlassen; seither ist nur der Chor erhalten. Er wurde bereits im 16. Jahrhundert wiederhergestellt und dient heute unter anderem als Konzert- und Ausstellungsort.

Natur in Bergen

Die drei Seebäder

Seebad Charakter
Bergen aan Zee Breiter Sandstrand, direkt an den Dünen gelegen
Egmond aan Zee Ehemaliges Fischerdorf mit Hafenatmosphäre
Schoorl aan Zee Höchste Dünen der Niederlande, Wander- und Sandbootgebiet

Alle drei Orte liegen im Noordhollands Duinreservaat, einem Dünen-Naturschutzgebiet, das sich über weite Teile der Küste zwischen Bergen und Egmond erstreckt. Verwaltet wird es vom Wasserversorger PWN, der in der Region zugleich Trinkwasser gewinnt und Natur pflegt; das Reservat zählt mit einer Ausdehnung von über 20 Kilometern Länge zu den größten zusammenhängenden Naturgebieten der Niederlande. Die Dünen bei Schoorl gehören mit rund 55 Metern über dem Meeresspiegel zu den höchsten des Landes und sind bei Wanderern und Mountainbikern beliebt.

Bergen heute

Neben Kunst und Natur ist Bergen bis heute ein Wohnort mit dörflichem Zentrum: Rund um den Marktplatz mit der Ruïnekerk reihen sich Galerien, Cafés und kleine Läden, die auch außerhalb der Hauptsaison geöffnet haben. Die Nähe zu Alkmaar und den Stränden macht den Ort sowohl für einen Tagesausflug als auch für einen längeren Aufenthalt praktikabel.

Praktische Tipps

  • Beste Reisezeit für Strand und Dünen ist von Mai bis September, für ruhigere Tage eignen sich April und Oktober besser.
  • Zwischen den Seebädern und dem Dorfkern verkehren Busse; für Anreise mit Bahn oder Auto gilt Alkmaar als nächstgelegener Bahnhof mit Anschluss.
  • Radwege verbinden Bergen mit der Küste und mit Alkmaar; der Nordseeküsten-Radweg führt direkt durch die Region.
  • Für das Betreten des Noordhollands Duinreservaat ab 18 Jahren ist eine kostenpflichtige Duinkaart des Betreibers PWN vorgeschrieben, erhältlich online, an den Dünen-Eingängen oder bei Verkaufsstellen; Kontrollen durch Aufsichtspersonal kommen vor.
  • Aktuelle Informationen zu Öffnungszeiten von Museum Kranenburgh und Veranstaltungen gibt es über die örtliche Tourist-Information, da sich diese saisonal ändern.

Wer die Region mit weiteren Ausflügen verbinden möchte, findet in der Nähe unter anderem die Windmühlen von Zaanse Schans und das etwas südlicher gelegene Haarlem. Auch ein Abstecher nach Amsterdam lässt sich von Bergen aus gut mit dem Zug verbinden. Blumenliebhaber, die zur richtigen Jahreszeit reisen, verbinden den Besuch häufig mit den Tulpenfeldern rund um Lisse. Wer nach dem Küstenabschnitt noch ein ganz anderes Landschaftsbild sehen möchte, findet es in den Kanälen von Giethoorn.

Häufig gestellte Fragen

Was macht Bergen (NH) zu einem Künstlerdorf?

Seit rund 100 Jahren ziehen Kunstschaffende nach Bergen. Die Bergense School prägte in den 1910er- und 1920er-Jahren einen eigenen Stil, dessen Werke heute vor allem im Museum Kranenburgh zu sehen sind.

Welche drei Seebäder gehören zur Gemeinde Bergen?

Das sind Bergen aan Zee, Egmond aan Zee und Schoorl aan Zee. Alle drei liegen an der Nordsee, unterscheiden sich aber im Charakter zwischen Strand-, Hafen- und Dünenort.

Woher stammt das Russenmonument?

Es erinnert an die Schlacht bei Bergen von 1799, bei der anglo-russische Truppen gegen französisch-batavische Verbände kämpften.

Wie kommt man am besten nach Bergen (NH)?

Alkmaar ist der nächstgelegene Bahnhof; von dort verkehren Busse in die Seebäder. Mit dem Auto ist die Region über die Autobahn gut erreichbar, im Sommer kann die Parkplatzsuche in den Seebädern allerdings dauern.

Lohnt sich ein Besuch bei den Dünen von Schoorl?

Ja, die Dünen dort zählen zu den höchsten der Niederlande und bieten Wander- und Radwege durch das Naturschutzgebiet Noordhollands Duinreservaat.