Die Bäche von Drenthe: Natur an der Drentsche Aa

Beitragsbild: Foto: Gouwenaar, „20170601 Nationaal Park De Drentsche Aa Oudemolensche Diep2“, CC0, via Wikimedia Commons

Zwischen Assen und Groningen liegt mit dem Nationalpark Drentsche Aa eines der größten Schutzgebiete der Niederlande. Auf rund 10.000 Hektar sind hier seit dem 19. Jahrhundert weitgehend unregulierte Bachläufe erhalten geblieben, umgeben von Heideflächen, alten Dörfern und prähistorischen Grabstätten. Seit 2002 trägt das Gebiet offiziell den Status Nationalpark und ist Teil des europäischen Natura-2000-Netzwerks.

Drentsche Aa auf einen BlickZum ausführlichen Reiseprofil
Stärken
Natur & Landschaft 5/5 · Kultur & Geschichte 4/5
Beste Zeit
Frühling und Sommer
Aufwand
ganzer Tag · kostenlos · draußen
Andrang
Moderat, zur Heideblüte im August und an Wochenenden mehr Besucher

Naturbelassene Bäche und Heideflächen

Die Bachsysteme der Drentsche Aa gehen auf die Landschaftsformung während der Saale-Eiszeit vor rund 130.000 Jahren zurück. Bäche wie das Looner Diep und das Amerdiep folgen bis heute weitgehend ihrem ursprünglichen, gewundenen Verlauf, statt begradigt zu sein – eine Seltenheit in den technisch stark regulierten Niederlanden. Das Balloërveld, ein ehemaliges Truppenübungsgelände, zeigt heute ein Mosaik aus Heide, Torfmoor und Sandflächen; Panzergräben aus dem Zweiten Weltkrieg erinnern noch an die frühere militärische Nutzung.

Nationalpark Drentsche Aa Provinz Drenthe, seit 2002 Fläche ca. 10.000 ha Bäche Looner Diep, Amerdiep Heidegebiet Balloërveld
Der Nationalpark Drentsche Aa auf einen Blick

Pflanzen- und Tierwelt

Die Vielfalt an Lebensräumen macht die Drentsche Aa zu einem bedeutenden Rückzugsgebiet für seltene Arten. Auf den feuchten Wiesen und in den Bachtälern wachsen unter anderem Arnika und das Übersehene Knabenkraut, in den Mooren die Schwarze Teufelskralle. Biber sind in den Bachläufen wieder heimisch geworden, Wasserspitzmäuse leben in den Uferzonen, und die Gebänderte Prachtlibelle gilt als Indikator für saubere, naturnahe Bäche.

Flora Fauna
Arnika Biber
Übersehenes Knabenkraut Wasserspitzmaus
Schwarze Teufelskralle Gebänderte Prachtlibelle

Kulturhistorische Spuren

Prähistorischer Grabhügel im Waldgebiet De Strubben-Kniphorstbosch in Drenthe
Foto: Gouwenaar, „20171107 De Strubben-Kniphorstbosch (grafheuvel)“, CC0, via Wikimedia Commons

Die Region ist reich an sogenannten Angerdörfern, historischen Siedlungen mit einer zentralen Gemeinschaftsfläche, wie Eext und Rolde. Rolde war im Mittelalter Tagungsort des Etstoel, des höchsten Gerichts der Provinz Drenthe, und galt lange als eine Art historische Hauptstadt der Region. Im archäologischen Reservat De Strubben-Kniphorstbosch liegt eine der größten Ansammlungen prähistorischer Grabhügel der Niederlande, die Einblicke in eine Besiedlung geben, die bis in die Bronzezeit zurückreicht.

Auch die traditionelle Landwirtschaft hat Spuren hinterlassen: Wallhecken dienten als natürliche Grenzen und Schutz vor Viehverbiss, und die Eschflur-Bewirtschaftung mit Plaggendüngung prägte über Jahrhunderte die Ackerflächen rund um die Dörfer.

Wandern, Radfahren und Dörfer entdecken

Die rund 39 Kilometer lange Radroute „Drentsche Aa“ führt durch Heide, Wälder und Angerdörfer; besonders die Strecke Rolde–Anloo–Zuidlaren mit einem Abstecher zum Balloërveld gilt als lohnenswert. In Anloo lädt die Magnuskerk, eine der ältesten Kirchen der Niederlande, zu einem Besuch ein, und Zuidlaren ist für seinen Skulpturenpark und seine Cafés bekannt. Auf dem Balloërveld weiden Schottische Hochlandrinder und Drentse Heideschafe zur Landschaftspflege, und Vogelbeobachter können unter anderem Neuntöter, Schwarzkehlchen und Bekassine entdecken. Die Orchideenblüte im Frühjahr und die Heideblüte im August zählen zu den jahreszeitlichen Höhepunkten.

Für einen weiteren Einblick in die Kultur Drenthes lohnt sich ein Abstecher ins Museumsdorf Orvelte. Wer nach dem Besuch der Drentsche Aa weitere niederländische Naturgebiete kennenlernen möchte, findet Anregungen bei den Naturschätzen der Niederlande, im Nationalpark Hoge Veluwe oder im Nationalpark Biesbosch; wer die Heideblüte lieber in größerem Maßstab erleben möchte, findet sie auch in der Veluwe.

Wem die Drentsche Aa am meisten bietet

Reiseprofil: Drentsche Aa
Wofür sich das Ziel eignet
Familie & Kinder
2/5
Action & Abenteuer
1/5
Wellness & Erholung
3/5
Kultur & Geschichte
4/5
Natur & Landschaft
5/5
Wasser & Strand
1/5
Städtetrip & Shopping
1/5
Kulinarik & Genuss
1/5
Preis-Leistung und Fotomotiv
Preis-Leistung
5/5
Fotomotiv
4/5
Beste Reisezeit
Frühling
ideal
Sommer
ideal
Herbst
gut
Winter
möglich
Gut zu wissen
Zeitbedarf
Tag – für die Radroute und Abstecher in die Dörfer
Budget
Kostenlos – Nationalpark, Wege und Grabhügel frei zugänglich
Wetter
Outdoor – Heide, Bachtäler und Wälder ohne Innenangebot im Gebiet
Andrang
Moderat, zur Heideblüte im August und an Wochenenden mehr Besucher
Übernachtung
In der Region – Unterkünfte in den Dörfern, Assen und Groningen liegen nahe
Barrierearm / Kinderwagen
Eingeschränkt – Radwege befestigt, Heide- und Bachpfade teils sandig oder feucht
Hunde
Auf dem beweideten Balloërveld Regeln vor Ort beachten, sonst beim Gebietsverwalter prüfen
Anreise
Auto oder Rad, Ausgangsorte Rolde, Anloo und Zuidlaren
Ein ruhiger Nationalpark für Radfahrer und Wanderer, der Naturbeobachtung mit Spuren früher Besiedlung verbindet.
Redaktionelle Einschätzung der Niederlandenet.de-Redaktion, Stand September 2026. Preise, Öffnungszeiten und Andrang können abweichen – Angaben ohne Gewähr.

Die Drentsche Aa richtet sich an Besucher, die ruhige Landschaft und Kulturgeschichte gemeinsam erleben wollen. Die Bäche winden sich hier noch in ihrem natürlichen Lauf durch Wiesen und Heide, was in den Niederlanden selten geworden ist. Dazwischen liegen Angerdörfer wie Rolde und Eext, die Magnuskerk in Anloo und das Reservat De Strubben-Kniphorstbosch mit seinen prähistorischen Grabhügeln. Radfahrer verbinden diese Orte bequem auf der ausgeschilderten Route, Naturfreunde achten auf Biber, Neuntöter oder die Gebänderte Prachtlibelle.

Wer Abwechslung durch Freizeitangebote, Badestellen oder städtisches Leben sucht, ist hier weniger gut aufgehoben. Das Gebiet lebt von Stille und langsamer Fortbewegung; größere Gastronomie findet sich eher in Zuidlaren als mitten im Park. Auch für Kinder, die feste Spielstationen erwarten, bietet der Nationalpark wenig, wohl aber Tiere wie die Hochlandrinder und Heideschafe auf dem Balloërveld.

Am lohnendsten sind Frühjahr und Sommer: Im Frühjahr blühen die Orchideenwiesen, im August färbt sich die Heide. Der Herbst bietet ruhige Radtage, im Winter ist das Gebiet zwar zugänglich, zeigt aber wenig von seinen Stärken. Wer Vögel beobachten will, ist am frühen Morgen unterwegs, und auf den feuchten Wegen in den Bachtälern empfehlen sich wasserfeste Schuhe.

Drentsche Aa auf einen Blick
Angabe Details
Lage Provinz Drenthe, zwischen Assen und Groningen
Charakter Nationalpark mit unbegradigten Bächen, Heide und Angerdörfern
Schutzstatus Nationalpark seit 2002, Natura-2000-Gebiet
Fläche rund 10.000 Hektar
Sehenswertes Balloërveld, Magnuskerk Anloo, Grabhügel De Strubben-Kniphorstbosch, Rolde
Radroute Radroute Drentsche Aa, rund 39 km
Beste Reisezeit Frühjahr (Orchideen) und Sommer (Heideblüte im August)
Aufenthaltsdauer Ein Tag
Anreise Mit Auto oder Rad nach Rolde, Anloo oder Zuidlaren
Luftlinie ab Köln 235 km, Düsseldorf 202 km, Münster 137 km, Hamburg 229 km
Nächster Autobahn-Grenzübergang A7/A280 Bunde–Nieuweschans (40 km Luftlinie)
Stand September 2026. Quellen: Beitrag, Wikidata; Luftlinien aus Koordinaten berechnet. Angaben ohne Gewähr.

Häufig gestellte Fragen

Was macht die Drentsche Aa besonders?

Die Bäche des Gebiets sind seit dem 19. Jahrhundert weitgehend unreguliert geblieben und folgen noch heute ihrem ursprünglichen Verlauf – eine Seltenheit in den Niederlanden, wo die meisten Wasserläufe technisch reguliert sind.

Welche historischen Sehenswürdigkeiten gibt es in der Region?

Angerdörfer wie Eext und Rolde, die Magnuskerk in Anloo sowie die prähistorischen Grabhügel im Reservat De Strubben-Kniphorstbosch zählen zu den wichtigsten kulturhistorischen Zielen.

Wann ist die beste Zeit für einen Besuch?

Im Frühjahr blühen die Orchideenwiesen, im August steht die Heide in Blüte. Beide Jahreszeiten gelten als besondere Höhepunkte für einen Besuch.

Welche Tiere kann man im Nationalpark beobachten?

Neben Bibern und Wasserspitzmäusen leben hier Vogelarten wie Neuntöter, Schwarzkehlchen und Bekassine. Auf dem Balloërveld weiden zudem Schottische Hochlandrinder und Drentse Heideschafe.