Die Ringdörfer von Zeeland (z.B. Dreischor)

In der Provinz Zeeland finden sich sogenannte Kerkringdorpen: Dörfer, die oval um eine Kirche und einen Friedhof angelegt wurden. Das am besten erhaltene Beispiel ist Dreischor auf Schouwen-Duiveland, seit 1972 geschütztes Dorfbild. Rund 1.000 Menschen leben hier, im Zentrum steht die Adriaanskerk mit ihrem leicht schiefen Turm.

Was sind Ringdörfer?

Kerkringdorpen entstanden im Zuge der Landgewinnung im 12. und 13. Jahrhundert. Charakteristisch ist der ovale Grundriss: Die Kirche mit Friedhof bildet das Zentrum, umgeben von einer ringförmigen Gracht und einem Kranz aus Wohnbebauung. Die Anlage diente sowohl dem Schutz vor Überflutung als auch als gemeinschaftlicher Mittelpunkt des Dorfes.

Geschichte der Ringdörfer

Von ursprünglich zahlreichen Ringdörfern haben nur noch vier ihre komplette Gracht rund um den Kirchhof bewahrt: Dreischor, Noordgouwe, Dirksland und Nieuwe-Tonge. In den meisten anderen Orten wurde die Gracht im Laufe der Zeit zugeschüttet, da sie zu einer offenen Abwasserrinne geworden war.

Die Geschichte von Dreischor

Von der Insel zum Ringdorf

Der Name Dreischor leitet sich von drei „schorren“ ab, außendeichs angeschwemmtem Land, auf dem Schafe weideten. Erstmals erwähnt wird der Ort 1206 als „Drieskire“. Die Dreischorpolder war zunächst eine eigene Insel, umgeben vom Grevelingen im Norden und dem Dijkwater im Osten und Süden. Durch Eindeichung wurde sie 1373 mit der Insel Schouwen verbunden.

Burg Windenburg und Hafen Beldert

Zwischen 1397 und 1401 entstand die Burg Windenburg. 1837 wurde sie zum Abbruch verkauft, 1953 entstand auf ihren Fundamenten ein Wohnhaus. Am Dijkwater lag zudem der kleine Hafen Beldert, an dem ab 1356 wöchentlich ein Pferdemarkt stattfand. Als das verbliebene Dijkwater 1953 abgedämmt wurde, verlor der Hafen seine Funktion.

Jahr Ereignis
1206 Erste Erwähnung Dreischors als „Drieskire“
1373 Verbindung mit Schouwen durch Eindeichung
1837 Abbruch der Burg Windenburg
1953 Sturmflut, Abdämmung des Dijkwater und Ende des Hafens Beldert

Die Adriaanskerk und weitere Sehenswürdigkeiten

Die schiefe Adriaanskerk

Die Sint-Adriaanskerk entstand zwischen etwa 1342 und 1450. Bereits während der Bauzeit senkte sich der Turm; die Baumeister korrigierten die Schräglage fortlaufend, wodurch der Turm seine bis heute sichtbare leicht krumme Form erhielt. Im 18. Jahrhundert wurde der östliche Teil des südlichen Seitenschiffs zur Grabkapelle der Adelsfamilie Ockerse umgebaut.

Museum Goemanszorg

Am Ortsrand zeigt das Streek- en Landbouwmuseum Goemanszorg eine original eingerichtete Bauernwohnung sowie Exponate zur Landwirtschaft der Region, darunter auch zum früheren Anbau von Färberkrapp, der bis ins vergangene Jahrhundert für die Textilfärberei genutzt wurde.

Weinbau bei Beldert

Auf rund 14 Hektar bei Beldert liegt die Wijnhoeve De Kleine Schorre, einer der größeren Weinbaubetriebe der Niederlande. Angebaut werden unter anderem Pinot Gris, Pinot Blanc, Rivaner und Auxerrois; Verkostungen sind vor Ort möglich. Nicht weit vom Dorfkern entfernt steht außerdem die Windmühle Aeolus aus dem Jahr 1739, benannt nach dem griechischen Windgott.

Praktische Hinweise für den Besuch

Besuch in Dreischor

Dreischor liegt auf Schouwen-Duiveland und lässt sich gut mit dem Auto oder Fahrrad erreichen, etwa im Rahmen einer Tour zu den Nachbarorten Noordgouwe und Ouwerkerk. Der Ortskern ist klein und am besten zu Fuß zu erkunden; die Adriaanskerk lässt sich von außen jederzeit, von innen im Rahmen von Öffnungszeiten oder Führungen besichtigen.

Fazit

Dreischor zeigt anschaulich, wie sich mittelalterliche Landgewinnung in der Siedlungsform niederschlägt: Kirche, Gracht und Wohnring bilden bis heute ein zusammenhängendes Bild. Wer Zeeland bereist, kann den Besuch gut mit der Festungsstadt Sluis oder einer Zeeuwse Bolus in einem der umliegenden Orte verbinden. Wer generell kompakte, historische Ortskerne mag, findet Vergleichbares auch in Zaanse Schans oder im wasserreichen Giethoorn, für einen größeren Stadtbesuch eignet sich Haarlem.

Häufig gestellte Fragen

Was ist ein Ringdorf?

Ein Ringdorf (Kerkringdorp) ist ein oval um eine Kirche und einen Friedhof angelegtes Dorf, meist umgeben von einer ringförmigen Gracht. Diese Siedlungsform entstand im Zuge der mittelalterlichen Landgewinnung in Zeeland.

Warum ist der Turm der Adriaanskerk schief?

Der Turm senkte sich bereits während der Bauzeit im 14./15. Jahrhundert. Die damaligen Baumeister korrigierten die Schräglage fortlaufend, statt neu zu beginnen, wodurch die bis heute sichtbare leicht krumme Form entstand.

Welche Ringdörfer haben noch ihre Gracht?

Nur noch vier: Dreischor, Noordgouwe, Dirksland und Nieuwe-Tonge. In den meisten anderen Ringdörfern wurde die Gracht im Laufe der Zeit zugeschüttet.

Kann man in Dreischor Wein probieren?

Ja, bei der Wijnhoeve De Kleine Schorre am Ortsrand werden mehrere Rebsorten angebaut und Verkostungen angeboten.

Wie groß ist Dreischor?

Der Ort hat je nach Gebietsabgrenzung rund 800 bis 1.000 Einwohner und lässt sich zu Fuß in kurzer Zeit durchqueren.