Digitale Nomaden in den Niederlanden: Visa, Coworking & Community

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Kurze Wege, gute Zuginfrastruktur, viel Englisch im Alltag und eine lebendige Coworking-Szene machen die Niederlande für ortsunabhängiges Arbeiten attraktiv. Für deutsche Remote-Worker gilt dabei ein wichtiger Unterschied zu vielen anderen beliebten Nomaden-Zielen: Als EU-Bürger brauchen Sie kein Visum.

Visum? Für EU-Bürger nicht nötig

Deutsche Staatsangehörige genießen als EU-Bürger Freizügigkeit in den Niederlanden. Das bedeutet: kein Visumantrag, keine Arbeitserlaubnis über die Einwanderungsbehörde IND nötig, egal ob als Angestellter, Freelancer oder Selbstständiger. Wer länger als vier Monate bleibt, muss sich lediglich bei der Gemeinde in das Einwohnerregister (BRP) eintragen lassen und erhält dabei eine Bürgerservicenummer (BSN), die für Bankkonto, Steuern und Krankenversicherung benötigt wird. Für die digitale Verwaltung lohnt sich anschließend die Beantragung eines DigiD-Zugangs.

Praktisch ist die Reihenfolge meist: zuerst ein Termin bei der zuständigen Gemeinde für die BRP-Anmeldung vereinbaren, danach die BSN abwarten (sie wird direkt bei der Anmeldung vergeben oder folgt kurz danach per Post), anschließend DigiD beantragen und erst mit BSN ein niederländisches Bankkonto eröffnen – ohne BSN akzeptieren die meisten niederländischen Banken keinen Kontoantrag. Wer bereits vor der BRP-Anmeldung eine Rufnummer oder ein Konto benötigt, kann bei manchen Anbietern zumindest vorläufig mit einer ausländischen Adresse starten und später umziehen.

Wichtig zur Einordnung: Eine eigene „Digital-Nomad-Visa“-Kategorie, wie sie einige andere Länder anbieten, gibt es in den Niederlanden nicht. Für Staatsangehörige außerhalb der EU gelten reguläre Einwanderungsrouten – etwa die Regelung für hochqualifizierte Migranten (Kennismigrant) bei einem niederländischen Arbeitgeber, das Selbstständigen-Aufenthaltsrecht mit Punktesystem, oder für US-Bürger das DAFT-Abkommen (Dutch-American Friendship Treaty). Da sich Details und Voraussetzungen ändern können, sind die aktuellen Bedingungen direkt bei der IND zu prüfen.

Für die Kennismigrant-Regelung gilt seit dem 1. Januar 2026 ein monatliches Bruttogehalt von mindestens 4.754 Euro für Fachkräfte unter 30 Jahren beziehungsweise 5.942 Euro für Fachkräfte ab 30 Jahren (jeweils ohne die übliche Feriengeldzulage von 8 Prozent); für Absolventen niederländischer Hochschulen gilt mit rund 3.122 Euro ein reduzierter Schwellenwert. Diese Beträge werden jährlich zum 1. Januar angepasst, weshalb der aktuelle Stand vor einer Bewerbung stets bei der IND zu prüfen ist. Für das DAFT-Abkommen wiederum muss ein US-Bürger ein niederländisches Unternehmen gründen (etwa eine B.V. oder ein Einzelunternehmen) und dort ein „wesentliches Kapital“ investieren, das aktuell bei mindestens 4.500 Euro liegt und während der gesamten Aufenthaltsdauer im Unternehmen verbleiben muss.

Steuern und 30%-Regelung

Steuerliche Aspekte für digitale Nomaden
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Zwischen Deutschland und den Niederlanden besteht ein Doppelbesteuerungsabkommen, das verhindern soll, dass Einkommen in beiden Ländern gleichzeitig voll besteuert wird. Wo genau die Steuerpflicht liegt, hängt unter anderem von der Aufenthaltsdauer und dem Lebensmittelpunkt ab – bei gemischten Konstellationen (etwa Wohnsitz in Deutschland, Arbeit teils in den Niederlanden) lohnt sich frühzeitig eine steuerliche Beratung.

Für angestellte hochqualifizierte Fachkräfte, die aus dem Ausland angeworben werden, existiert die sogenannte 30%-Regelung, bei der ein Teil des Gehalts steuerfrei ausgezahlt werden kann. Die genauen Bedingungen und die Höhe wurden in den letzten Jahren mehrfach angepasst: Für 2025 und 2026 gilt weiterhin der Satz von 30 Prozent, ab 2027 sinkt er für neue Fälle auf 27 Prozent, während bereits laufende Regelungen teils noch nach den alten Bedingungen auslaufen. Der steuerfrei erstattbare Betrag ist zudem gedeckelt – für 2026 liegt die Obergrenze bei rund 78.600 Euro Jahresgehalt. Wegen der häufigen Anpassungen ist eine aktuelle Prüfung über den Arbeitgeber oder einen Steuerberater sinnvoll. Für Selbstständige (ZZP – zelfstandige zonder personeel) gelten andere Regeln, unter anderem eigene Meldepflichten beim Finanzamt (Belastingdienst).

Krankenversicherung

Wer in den Niederlanden sozialversicherungspflichtig arbeitet, benötigt in der Regel eine niederländische Basisversicherung (zorgverzekering) bei einem der lokalen Anbieter. Bleibt der Lebensmittelpunkt und die Versicherung dagegen in Deutschland und wird nur zeitweise remote gearbeitet, kann je nach Konstellation die deutsche Krankenversicherung mit Europäischer Krankenversicherungskarte ausreichen. Da die Einordnung von individuellen Faktoren abhängt, ist eine Rückfrage bei der eigenen Krankenkasse vor einem längeren Aufenthalt empfehlenswert.

Coworking-Spaces

Größere Städte wie Amsterdam, Rotterdam, Utrecht und Den Haag haben eine aktive Coworking-Szene. Seats2meet ist mit mehreren Standorten im Land ein bekannter Anbieter mit Tages- und Community-Tarifen, daneben gibt es zahlreiche unabhängige Spaces in ehemaligen Fabrikgebäuden oder Bürohäusern, oft mit Fokus auf Startups und Kreativbranchen. Für einen ersten Eindruck lohnt sich ein Tagesticket, bevor eine längere Mitgliedschaft abgeschlossen wird – Preise und Ausstattung unterscheiden sich von Space zu Space deutlich.

Internet und technische Infrastruktur

Die Internetversorgung in den Niederlanden gehört zu den besten in Europa, sowohl bei Festnetz- als auch Mobilfunkverbindungen. Die drei Netzbetreiber KPN, VodafoneZiggo und Odido (früher T-Mobile Nederland) decken das Land weitgehend ab; in ländlicheren Regionen kann die Geschwindigkeit gegenüber den großen Städten etwas abfallen. Für unterwegs empfiehlt sich ein Datentarif mit ausreichendem Volumen, ergänzend dazu ein VPN bei der Nutzung öffentlicher WLAN-Netze.

Community und Networking

Community und Networking in den Niederlanden
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Meetup-Gruppen und thematische Facebook-Communities zu Remote Work und Startups sind eine gute erste Anlaufstelle, um Kontakte zu knüpfen. In Coworking-Spaces selbst finden regelmäßig informelle Netzwerktreffen statt. Die niederländische Geschäftskultur gilt als direkt und unkompliziert: klare, sachliche Kommunikation wird geschätzt, Small Talk vor dem eigentlichen Anliegen ist weniger verbreitet als in Deutschland üblich.

Wohnen und Lebenshaltungskosten

Die Wohnungssuche ist vor allem in Amsterdam angespannt, mit spürbar höheren Mieten als in kleineren Städten wie Groningen oder Nijmegen. Wer flexibel bleiben möchte, findet über möblierte Zwischenmiete oder Zimmerbörsen leichter kurzfristige Lösungen als über den regulären Wohnungsmarkt. Für längere Aufenthalte lohnt sich ein früher Start der Suche, da die Nachfrage in den beliebten Städten deutlich höher ist als das Angebot.

Ablauf für deutsche Remote-Worker 1. Einreise ohne Visum (EU-Freizügigkeit) 2. Bei Bleibe > 4 Monate: BRP-Anmeldung bei der Gemeinde 3. BSN erhalten, DigiD beantragen 4. Kranken­versicherung und Steuerpflicht klären Details ändern sich – aktuelle Regeln bei IND/Gemeente prüfen
Grober Ablauf für deutsche Remote-Worker, die sich in den Niederlanden anmelden.

Für die Reise selbst helfen ergänzend die Hinweise zur SIM-Karte oder eSIM für die Niederlande und zur Anreise in die Niederlande. Wer sich in den Alltag zwischen Terminen einleben möchte, findet in den Beiträgen zu Fahrradtouren in den Niederlanden und zu den Feiertagen und Festen in den Niederlanden praktische Orientierung, etwa für die Planung freier Tage.

Häufig gestellte Fragen

Brauchen Deutsche ein Visum, um in den Niederlanden remote zu arbeiten?

Nein. Als EU-Bürger dürfen Deutsche ohne Visum in den Niederlanden leben und arbeiten. Bei einem Aufenthalt von mehr als vier Monaten ist eine Anmeldung bei der Gemeinde (BRP) nötig.

Gibt es ein spezielles Digital-Nomad-Visum in den Niederlanden?

Nein, eine eigene Digital-Nomad-Visa-Kategorie existiert dort nicht. Für EU-Bürger ist das ohnehin nicht relevant, für Nicht-EU-Bürger gelten reguläre Einwanderungsrouten wie die Kennismigrant-Regelung oder das DAFT-Abkommen für US-Bürger.

Muss ich in den Niederlanden Steuern zahlen, wenn ich remote für einen deutschen Arbeitgeber arbeite?

Das hängt von Aufenthaltsdauer und Lebensmittelpunkt ab und wird durch das Doppelbesteuerungsabkommen zwischen Deutschland und den Niederlanden geregelt. Bei längeren Aufenthalten empfiehlt sich eine individuelle steuerliche Beratung.

Wie finde ich einen Coworking-Space?

In allen größeren Städten gibt es eine Auswahl, etwa über Netzwerke wie Seats2meet oder unabhängige lokale Spaces. Ein Tagesticket vor Ort gibt einen guten ersten Eindruck vor einer längeren Mitgliedschaft.