Niederländische Meister abseits von Rembrandt & Van Gogh

Beitragsbild: Foto: Johannes Vermeer, „Johannes Vermeer – View of Delft – WGA24643“, Public domain, via Wikimedia Commons

Rembrandt und Van Gogh prägen das Bild der niederländischen Malerei im Ausland, doch das Land hat weit mehr bedeutende Künstler hervorgebracht – vom Goldenen Zeitalter des 17. Jahrhunderts bis zur Moderne des 20. Jahrhunderts. Eine Auswahl an Malern, ihren wichtigsten Werken und den Museen, in denen sie zu sehen sind.

Vor dem Goldenen Zeitalter: Jheronimus Bosch (um 1450–1516)

Lange vor dem Goldenen Zeitalter malte Jheronimus van Aken, genannt Bosch nach seiner Geburtsstadt ’s-Hertogenbosch, seine bis heute rätselhaften Fantasiewelten voller Fabelwesen, Höllenszenen und moralischer Bildsprache. Die meisten seiner erhaltenen Originalwerke – darunter das berühmte Triptychon „Der Garten der Lüste“ – befinden sich heute im Museo del Prado in Madrid, nicht in den Niederlanden. In seiner Geburtsstadt widmet ihm das Jheronimus Bosch Art Center eine permanente Ausstellung; dort sind allerdings überwiegend Reproduktionen zu sehen, keine Originale.

Das Goldene Zeitalter: Malerei des 17. Jahrhunderts

Im 17. Jahrhundert, als die junge niederländische Republik wirtschaftlich und kulturell aufblühte, entstand eine bemerkenswert breite Malertradition – nicht nur an den Höfen, sondern auch für ein bürgerliches Publikum, das Genreszenen, Landschaften und Porträts kaufte.

Johannes Vermeer (1632–1675)

Vermeer aus Delft malte vor allem stille Innenraumszenen mit wenigen Figuren, oft im charakteristischen Licht, das durch ein seitliches Fenster fällt. Sein bekanntestes Werk, „Das Mädchen mit dem Perlenohrring“, hängt im Mauritshuis in Den Haag. Weitere Hauptwerke wie „Die Milchmagd“ und „Die Malkunst“ befinden sich im Rijksmuseum Amsterdam beziehungsweise im Kunsthistorischen Museum Wien.

Zu Lebzeiten war Vermeer nur regional in Delft und Den Haag bekannt; nach seinem Tod geriet er fast zwei Jahrhunderte lang weitgehend in Vergessenheit. Erst der französische Kunstkritiker Théophile Thoré-Bürger machte ihn im 19. Jahrhundert neu bekannt, nachdem ihn 1842 die „Ansicht von Delft“ im Mauritshuis fasziniert hatte. Thoré-Bürger ordnete daraufhin systematisch Werke Vermeer zu, die zuvor Zeitgenossen zugeschrieben worden waren – wenn auch nicht immer korrekt, wie spätere kunsthistorische Forschung zeigte.

Jan Steens Gemälde „Der Quacksalber“, eine belebte Genreszene aus dem 17. Jahrhundert
Foto: Jan Steen, „Jan Steen – De kwakzalver“, Public domain, via Wikimedia Commons

Frans Hals (um 1582/83–1666)

Hals war vor allem für seine lebendigen, lockeren Porträts bekannt, mit denen er sich deutlich von der glatten Malweise vieler Zeitgenossen abhob. Der Großteil seines Werks befindet sich im Frans Hals Museum in Haarlem, seiner langjährigen Wirkungsstätte.

Jan Steen (um 1626–1679)

Steen malte turbulente Alltags- und Familienszenen, oft mit einer moralischen oder humorvollen Pointe – der niederländische Ausdruck „ein Haushalt wie bei Jan Steen“ für ein chaotisches Zuhause geht auf ihn zurück. Das Mauritshuis besitzt eine der größten Sammlungen seiner Werke.

Jacob van Ruisdael (um 1628/29–1682)

Ruisdael aus Haarlem gilt als einer der bedeutendsten Landschaftsmaler des Goldenen Zeitalters, bekannt für dramatische Himmel, Wälder, Wasserläufe und Windmühlen. Auch von ihm zeigt das Mauritshuis mehrere zentrale Werke.

Judith Leyster (1609–1660)

Leyster war eine der wenigen Frauen, die im 17. Jahrhundert als selbstständige Malerin und Mitglied der Haarlemer Malergilde arbeiteten. Ihre Genreszenen und Porträts, etwa „Die Serenade“, wurden lange fälschlich Frans Hals zugeschrieben, bevor die Forschung ihre eigenständige Handschrift erkannte. Werke von ihr hängen unter anderem im Mauritshuis.

Pieter de Hooch (1629–nach 1683)

De Hooch malte, ähnlich wie Vermeer, ruhige Innen- und Hofszenen mit sorgfältig komponiertem Licht. Er arbeitete zeitweise in Delft, später in Amsterdam; Werke von ihm zeigen unter anderem das Rijksmuseum Amsterdam und das Museum Prinsenhof in Delft.

Vom 19. zum 20. Jahrhundert: Aufbruch in die Moderne

Nach dem Goldenen Zeitalter dauerte es bis ins späte 19. und 20. Jahrhundert, bis wieder niederländische Maler internationale Aufmerksamkeit erlangten – diesmal mit einem radikalen Bruch von der gegenständlichen Tradition.

Piet Mondriaan (1872–1944)

Mondriaan begann mit gegenständlicher Landschaftsmalerei und entwickelte daraus schrittweise seine berühmte abstrakte Formensprache aus rechten Winkeln, Primärfarben und schwarzen Linien, die er im Rahmen der Kunstbewegung De Stijl prägte. Die mit Abstand größte Mondriaan-Sammlung der Welt – rund 300 Werke, darunter sein letztes Gemälde „Victory Boogie Woogie“ – zeigt das Kunstmuseum Den Haag.

M.C. Escher (1898–1972)

Escher war vor allem Grafiker, weniger klassischer Maler, gehört aber zu den bekanntesten niederländischen Bildkünstlern des 20. Jahrhunderts. Seine mathematisch inspirierten Vexierbilder mit unmöglichen Perspektiven und ineinander verschlungenen Mustern sind im Museum Escher in Het Paleis in Den Haag zu sehen, das im ehemaligen Winterpalais der Königin untergebracht ist.

Willem de Kooning (1904–1997)

De Kooning wurde in Rotterdam geboren und wanderte 1926 in die USA aus, wo er zu einem der führenden Vertreter des abstrakten Expressionismus wurde. Seine späteren Werke entstanden zwar überwiegend in den USA, seine niederländischen Wurzeln werden aber unter anderem im Kunstmuseum Den Haag und in Sonderausstellungen niederländischer Museen gewürdigt.

Karel Appel (1921–2006)

Appel war Mitbegründer der Künstlergruppe CoBrA (1948), die mit grellen Farben, expressiver Pinselführung und kindlich anmutenden Formen gegen akademische Konventionen antrat. Das Cobra Museum in Amstelveen bei Amsterdam zeigt eine umfangreiche Sammlung seiner Werke sowie weiterer CoBrA-Künstler.

Wo man diese Maler heute sehen kann

Künstler Museum Ort
Vermeer, Jan Steen, van Ruisdael, Leyster Mauritshuis Den Haag
Vermeer, Pieter de Hooch Rijksmuseum Amsterdam
Frans Hals Frans Hals Museum Haarlem
Mondriaan, de Kooning Kunstmuseum Den Haag Den Haag
M.C. Escher Escher in Het Paleis Den Haag
Karel Appel Cobra Museum Amstelveen

Auffällig ist, wie viele dieser Museen sich auf ein kleines Gebiet zwischen Den Haag, Amsterdam und Haarlem konzentrieren – ein Städtetrip lässt sich also gut mit dem Besuch mehrerer Häuser verbinden. Wer sich näher mit dem bekanntesten niederländischen Maler beschäftigen möchte, findet ergänzend den Beitrag zu Rembrandt und seinen wichtigsten Museen und Orten.

Einordnung: Kunst und Gesellschaft

Die Fülle an Malern im Goldenen Zeitalter hängt eng mit der gesellschaftlichen Entwicklung der damaligen Republik zusammen: Ein selbstbewusstes Bürgertum kaufte Kunst für die eigenen vier Wände statt für Kirchen oder Höfe, was Genreszenen, Stillleben und Landschaften zu eigenständigen, gefragten Bildgattungen machte. Wer sich für die historischen und religiösen Hintergründe dieser Zeit interessiert, findet weiterführende Aspekte im Beitrag zum Einfluss des Calvinismus auf die niederländische Kultur. Auch die niederländische Folklore und die niederländische Toleranz als gesellschaftliches Klima bieten Anschlusspunkte, um die Kunstgeschichte des Landes einzuordnen. Dass gleich mehrere niederländische Forscher mit naturwissenschaftlichem Hintergrund international ausgezeichnet wurden, zeigt der Beitrag zu den niederländischen Nobelpreisträgern.

Häufig gestellte Fragen

Welche niederländischen Maler sind neben Rembrandt und Van Gogh am bekanntesten?

International besonders bekannt sind Johannes Vermeer, Frans Hals und Piet Mondriaan. Kennerinnen und Kenner schätzen zudem Jan Steen, Jacob van Ruisdael, Pieter de Hooch, Judith Leyster, Willem de Kooning und Karel Appel.

Wo hängt „Das Mädchen mit dem Perlenohrring“?

Im Mauritshuis in Den Haag, das auch weitere Hauptwerke von Jan Steen und Jacob van Ruisdael zeigt.

Wo findet man die größte Mondriaan-Sammlung der Welt?

Im Kunstmuseum Den Haag, das rund 300 Werke des Künstlers besitzt, darunter sein letztes Gemälde „Victory Boogie Woogie“.

War Willem de Kooning ein niederländischer oder amerikanischer Künstler?

Beides trifft zu: De Kooning wurde in Rotterdam geboren, wanderte 1926 in die USA aus und wurde dort zu einer zentralen Figur des abstrakten Expressionismus.

Was war die Künstlergruppe CoBrA?

Eine 1948 gegründete Künstlergruppe, an der unter anderem der niederländische Maler Karel Appel beteiligt war. Sie setzte auf expressive, farbintensive und bewusst unakademische Malerei.