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Beitragsbild: mit KI erstellt (Symbolbild)
Mitten im Achterhoek, nur rund 12 Kilometer nördlich von Bocholt, liegt das Städtchen Bredevoort. Mit knapp 2.000 Einwohnern ist es bekannt für seine Festungsgeschichte und seinen Ruf als niederländische Bücherstadt. Wegen der Nähe zur deutschen Grenze ist der Ort besonders für Tagesausflüge aus dem Münsterland interessant.
Die Geschichte von Bredevoort
Die Entstehung der Festungsstadt
Der Name Bredevoort geht auf „brede voorde“ zurück, eine breite Furt durch einen nahen Bach, über die schon im frühen Mittelalter eine Handelsroute zwischen dem heutigen Deutschland und Zutphen führte. 1388 verlieh Otto van Gelre dem Ort die Stadtrechte. In der Folge entwickelte sich Bredevoort zu einer befestigten Grenzstadt der Grafschaft Geldern und spielte während des Achtzigjährigen Kriegs als spanische Festung eine Rolle.
Bredevoort im Wandel der Zeit
Nachdem die Burg im 16. Jahrhundert von Maarten van Rossum zerstört worden war, wurde sie wieder aufgebaut, die Stadt entwickelte sich vom Militärstützpunkt zur Handelsstadt. Im 20. Jahrhundert galt Bredevoort innerhalb der Gemeinde Aalten als ein Ort mit überdurchschnittlichem Rückhalt für die NSB; genaue Wahlzahlen dazu variieren je nach Quelle. Bekannter ist die Stadt für die Malermuse und spätere Lebensgefährtin Rembrandts, Hendrickje Stoffels, die um 1626 in Bredevoort geboren wurde und dort ihre Kindheit verbrachte, bevor sie nach Amsterdam zog.
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| Frühmittelalter | Furt und Handelsroute, Ursprung des Ortsnamens |
| 1388 | Verleihung der Stadtrechte durch Otto van Gelre |
| 16. Jahrhundert | Zerstörung und Wiederaufbau der Burg |
| 1993 | Offizielle Eröffnung als Bücherstadt |
Bredevoort als Bücherstadt
Ein Zeitungsartikel über die walisische Bücherstadt Hay-on-Wye brachte 1992 den Anstoß: Nach Arbeitsbesuchen in Hay-on-Wye und im belgischen Redu wurde Bredevoort am 27. August 1993 offiziell als Bücherstadt eröffnet, mit dem damaligen Kommissar der Königin, Jan Terlouw, als Schirmherr. Bredevoort war damit die erste zweisprachige Bücherstadt für die Niederlande und Deutschland.

Antiquariate heute
Zu ihrer besten Zeit hatte die Bücherstadt rund 30 niederländische und deutsche Antiquariate. Die ursprüngliche Stiftung Bredevoort Boekenstad bestand von 1993 bis 2009; heute gibt es deutlich weniger Antiquariate, und der Ort positioniert sich unter dem Motto „Bredevoort breder dan boeken“ bewusst breiter als reine Bücherstadt, mit Kunst, Handwerk und kulinarischen Angeboten neben den verbliebenen Buchhandlungen.
Honesty-Shops: Bücher rund um die Uhr
Ein Merkmal der Bücherstadt sind die Honesty-Shops: Bücherregale und kleine Stände, an denen rund um die Uhr auf Vertrauensbasis eingekauft werden kann, meist mit einer offenen Kasse für das passende Kleingeld. Aktuelle Termine zu Büchermärkten und Lesungen finden sich auf der offiziellen Website der Stadt.
Sehenswürdigkeiten in Bredevoort
Die Windmühle Prins van Oranje
Die Windmühle Prins van Oranje steht auf dem ehemaligen Bollwerk Welgemoed, das einst Teil der Stadtbefestigung war. Bereits um 1644/45 erteilte der Prinz von Oranien die Erlaubnis für eine erste Mühle an dieser Stelle; nachdem diese 1869 abgebrannt war, entstand 1870 die heutige Turmwindmühle mit einer Flügelspannweite von 25 Metern. Bei Führungen lässt sich der Mahlmechanismus besichtigen, frisch gemahlenes Mehl kann direkt vor Ort gekauft werden.
Historische Gebäude und Gassen
Die Kerkstraat zeigt Backsteinfassaden im Stil des Rokoko, dazwischen liegen Werkstätten von Goldschmieden und Uhrmachern. Im Ambthof lädt ein kleiner Kräutergarten zu einer Pause ein.
Der Festungspark und seine Bollwerke
Auf einem rund 1,5 Kilometer langen Rundweg durch den Festungspark lassen sich die früheren Bollwerke der Stadtbefestigung erkunden. Im September verwandelt das Lichtkunstfestival „Bredevoort schittert“ den Park abends in eine beleuchtete Kulisse.
Fazit: Warum Bredevoort einen Besuch wert ist
Bredevoort verbindet Festungsgeschichte, Buchkultur und die Landschaft der Achterhoeker Nationallandschaft. In der Nähe liegt der Slingeplas, ein Badesee mit Sandstrand und Rundweg, gut geeignet für einen Ausklang nach dem Stadtrundgang. Übernachten lässt es sich im Boutique-Hotel De Heerlyckheid im ehemaligen Sanatorium St. Bernardus am Marktplatz, das auch eine Brasserie mit niederländisch-französischer Küche führt.
Für einen Tagesausflug ab Bocholt oder dem übrigen Münsterland lässt sich der Besuch der Bücherstadt gut mit einer Radtour durch die Achterhoek verbinden. Wer historische Kleinstädte mag, findet mit ähnlichem Reiz auch in Zaanse Schans oder im wasserreichen Giethoorn ein einzelnes, klar erkennbares Thema, um das sich der gesamte Ort dreht. Wer stattdessen lieber einen historischen Stadtkern zum Bummeln sucht, ist in Maastricht, Delft oder Haarlem gut aufgehoben.
Häufig gestellte Fragen
Seit wann ist Bredevoort eine Bücherstadt?
Offiziell eröffnet wurde die Bücherstadt am 27. August 1993, die Idee dazu entstand 1992 nach einem Zeitungsartikel über das walisische Vorbild Hay-on-Wye.
Gibt es in Bredevoort noch viele Antiquariate?
Zur besten Zeit waren es rund 30, heute sind es deutlich weniger. Der Ort positioniert sich inzwischen bewusst breiter als „Bredevoort breder dan boeken“, mit Kunst und Handwerk neben den verbliebenen Buchhandlungen.
Was sind Honesty-Shops?
Das sind kleine Bücherstände oder Regale, an denen rund um die Uhr auf Vertrauensbasis eingekauft werden kann, meist mit einer offenen Kasse für das Geld.
Wie weit ist Bredevoort von der deutschen Grenze entfernt?
Der Ort liegt rund 12 Kilometer nördlich von Bocholt und ist von dort mit dem Auto in kurzer Zeit erreichbar.
Was hat Bredevoort mit Rembrandt zu tun?
Hendrickje Stoffels, die spätere Lebensgefährtin und Modell Rembrandts, wurde um 1626 in Bredevoort geboren und verbrachte dort ihre Kindheit.





